Tarif

Zahltag

Zwei Branchen, zwei Forderungen, viele Argumente | 
Die Papierverarbeitung und die Druckindustrie stecken 
mitten in den Verhandlungen für höhere Löhne und Gehälter | Beschäftigte dürfen nicht abgehängt werden |

Neun Gründe für mehr Lohn

1. Wer gute Fachkräfte haben will, muss bei den Löhnen zulegen. Überall dort, wo es in der Nachbarschaft tarifgebundene Betriebe der Metall- und Elektro
industrie und der chemischen Industrie gibt, haben es Papierverarbeitung und Druckindustrie schwer, Hilfskräfte und Fachkräfte zu halten oder zu gewinnen. In diesen Branchen wird mehr gezahlt.

2. Die Wirtschaft entwickelt sich gut. Wirtschaftsinstitute gehen davon aus, dass das Bruttoinlandsprodukt in diesem Jahr um 1,7 Prozent wächst, im nächsten Jahr um weitere 1,9 Prozent. Mit dem Bruttoinlandsprodukt wird der Wert aller Güter und Dienstleistungen, die innerhalb eines Jahres in einem Land erwirtschaftet werden, bis 2019 auf 3,6 Prozent beziffert.

3. Wer mehr verdient, kann mehr ausgeben und kurbelt die hiesige Wirtschaft an.

4. Andere Branchen zahlen auch mehr. Die chemische Industrie hat kürzlich einen Tarifabschluss für ihre 580.000 Beschäftigten erreicht: 3,6 Prozent mehr Geld bei einer Laufzeit von 15 Monaten und Verdoppelung des Urlaubsgelds für Vollzeitbeschäftigte auf 1.200 Euro und für Schichtarbeiter auf 1.320 Euro. ver.di hat in diesem Jahr für 
den öffentlichen Dienst ein Plus 
von 3,5 Prozent herausgeholt. Und noch ein Vergleich: die 
Süßwarenindustrie Ost mit 9.800 Beschäftigten. Die Gewerkschaft NGG erreichte 
je 2,5 Prozent mehr Lohn für dieses und nächstes Jahr.

5. Die Mieten steigen explosions
artig. Die Angebotsmieten in den Großstädten und Ballungszentren, wie Hamburg, Hannover, Nürnberg, München oder Berlin, seien zwischen 2008 und 2018 um 50, 60, sogar um 100 Prozent gestiegen, schreibt der Deutsche Mieterbund. Zwei Millionen günstige Wohnungen fehlen in Deutschland. Es werde zu wenig, zu teuer und oft an falschen Standorten gebaut.

6. Nicht nur Mieten, auch Strom, Benzin und Nahrungsmittel – kurzum: die Verbraucherpreise – erhöhten sich im Jahr 2017 
um 1,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Ein Beispiel: 
Ein Liter Superbenzin war im 
Juli 2017 noch für durchschnittlich 1,33 Euro zu haben, ein Jahr später kostete er schon 1,47 Euro.

7. Die Beschäftigten haben mehr Leistung gebracht; jetzt ist es Sache der Unternehmer, die gestiegene Leistung und höhere Arbeitsbelastung mit einem Lohnplus auszugleichen.

8. Die Rohölpreise steigen; das führt zu höheren Heizkosten und die müssen bezahlt werden.

9. Wer Jugendliche nicht an besser zahlende Branchen verlieren will, darf bei den Ausbildungsvergütungen nicht nachlassen. Das haben die Druck-Arbeitgeber richtig erkannt. Die werben auf www.druckindustrie.de mit den überdurchschnittlichen Löhnen für Azubis. Das soll so bleiben. Also 5 Prozent mehr für die Azubis in der Druckindustrie und 90 Euro mehr für die Azubis in der Papierverarbeitung.

Damit genügend übrig bleibt

Egal, welche komplizierten Rechnungen die Arbeitgeber in Tarifrunden anstellen. Wichtig ist für die Beschäftigten, wie viel Geld sie am Monatsanfang zur Verfügung haben und ob das reicht, um Miete, Essen, Kinderbetreuung, Kleidung und einiges mehr zu bezahlen.

Preisanstieg ausgleichen

Steigen die Preise – und das taten sie im zweiten Quartal dieses Jahres um zwei Prozent –, müssen auch die Löhne mithalten. Erhöhen die sich aber nur um zwei Prozent, bleibt unterm Strich: nichts. Ist ja alles ausgegeben für teurere Lebensmittel und höhere Benzinkosten. Wenn mehr im Portemonnaie sein soll, muss das Lohnplus höher sein als die ge-
stiegenen Preise.

Anschluss nicht verpassen

Und: Beschäftigte der Druckindustrie und Papierverarbeitung müssen teilhaben können an dem Wirtschaftswachstum, das gesamtgesellschaftlich erarbeitet wurde – hier liegt der Spielraum dieses Jahr bei 3,7 Prozent. Die ver.di-Forderungen von 5 Prozent in der Druckindustrie und 6 Prozent in der Papierverarbeitung sind geeignet, um den Anschluss an die allgemeine Lohnentwicklung in Deutschland zu erreichen.

\\ Mietbelastung

Arm durch Wohnen

In diesen Großstädten müssen Menschen um die 30 Prozent ihres Einkommens für die Miete ausgeben. Mieten oberhalb von 30 Prozent des Haushaltseinkommens gelten jedoch als problematisch, weil dann nur noch wenig Geld zum Leben übrig bleibt, insbesondere bei Menschen mit niedrigem Einkommen. Die Forscher analysierten 2014 die soziale Lage in 77 Großstädten. Ostdeutsche Städte fehlen in unserer Grafik, weil die Mietbelastung dort niedriger ist.

Bonn 30,3 %
Neuss 30,1 %
Köln 29,3 %
Düsseldorf 29,2 %
Bremen 29,1 %
Bremerhaven 29,0 %
Mannheim 28,8 %
Bergisch Gladbach 28,8 %
Offenbach 28,7 %
Hamburg 28,6 %
Wiesbaden 28,5 %
Oldenburg 28,4 %
Krefeld 28,3 %
München 28,3 %
Darmstadt 28,1 %
Frankfurt a.M. 28,0 %
Nürnberg 28,0 %
Quelle: Lebuhn u.a. 2017, Hans-Böckler-Stiftung
www.boeckler.de/pdf_fof/99313.pdf

 

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