Editorial

Microsoft in Japan hat es ausprobiert: 2.300 Beschäftigte arbeiteten einen Monat lang an vier Tagen pro Woche. Freitags war frei. Die Devise: »Arbeite in kurzer Zeit, studiere gut, mache eine Pause.« Die Produktivität stieg, die Menschen hatten mehr Zeit – alle waren zufrieden. Microsoft will das Experiment wiederholen. Das Gehalt wurde um keinen Yen gekürzt.

Auch die IG Metall hat eine 4-Tage-Woche vorgeschlagen, »um Industriejobs zu halten, statt sie abzuschreiben«. Wegen der Corona-Krise, aber auch weil der Wandel vom Verbrennungs- zum Elektromotor Tausende Arbeitsplätze kosten könnte. Anders als Microsoft will die IG Metall nur einen »gewissen« Lohnausgleich. Die Unternehmen sollten wählen dürfen.

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Kaum war die Idee in der Welt, bekamen die Gralshüter des Kapitals Schnappatmung: Die deutsche Wirtschaft erleide gerade einen »riesigen Produktivitätsschock«, sagte der Geschäftsführer der Bundesvereinigung Deutscher Arbeitgeberverbände. Eine 4-Tage-Woche mit Lohnausgleich verschärfe den Schock. Das Arbeitgeber-Institut für Wirtschaft fürchtete die Kapitulation vor der Krise. Die FDP rief bestürzt: Gift! Und der Unternehmerverband Gesamtmetall verstummte vor Entsetzen.

Wer kürzer arbeitet, ist produktiver. Kürzere Arbeitszeiten retten Jobs. Kürzere Arbeitszeiten retten auch Menschen. Denen heute vor lauter Stress und Hetze am Ende eines Arbeitslebens nicht mehr viel vom Leben bleibt. Doch es geht auch ums Geld. Wir brauchen eine 4-Tage-Woche mit vollem Lohnausgleich.

1984 erkämpfte die IG Druck und Papier mit der IG Metall die 35-Stunden-Woche. Elf Jahre dauerte es, bis sie endlich galt – 25 Jahre ist das her (siehe »Weg war die 40!«). Seitdem ist die Produktivität gestiegen und gestiegen. Es ist Zeit für neue Zeiten!

Andreas Fröhlich

Kampf für die 35-Stunden-Woche

 

Weg war die 40!