Editorial

Neulich im Magazin Der Spiegel: Aufgemacht ist der Artikel mit einer schneebedeckten Alpenlandschaft, mittendrin eine stattliche Almhütte und viele Menschen in quietschbunten Schneeanzügen. »Die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie haben tiefe Einschnitte hinterlassen«, steht da. Für viele Menschen gehe es um die Existenz, Corona habe eine soziale Spaltung ausgelöst. Nun der vermeintliche Skandal: »Für Impfverweigerer gelten weiterhin strenge Einschränkungen, Geimpfte hingegen dürften den Irish Pub, die Kletterhalle, das Hallenbad besuchen. Eine Zweiklassengesellschaft.«

Das verkehrt den Begriff »Zweiklassengesellschaft« ins Gegenteil. Normalerweise wird darunter die Aufteilung einer Gesellschaft in eine Klasse der Armen und eine Klasse der Reichen verstanden. Aber hier im österreichischen Nobeldorf geht es um den schnöden Umstand, dass ein Ungeimpfter nicht auf die Après-Ski-Champagnerparty darf. Der kleine Unterschied: Drei Pikser in den Oberarm und er kann wieder feiern.

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Einmal im Jahr in Urlaub fahren? Wäre schön. Fürs Alter vorsorgen? Nicht denkbar. Neue Schuhe fürs Kind? Jetzt nicht, vielleicht im nächsten Monat. Das ist Alltag für viele Menschen in Deutschland. Sie leben von der Hand in den Mund – trotz Vollzeit. Können sich kaum etwas leisten – trotz harter Arbeit. Um sie soll es in der neuen Serie in DRUCK+PAPIER („Wenn vom Leben wenig bleibt“) gehen. Eine Veränderung dieser Verhältnisse ist mit der Ampel-Koalition allerdings nicht zu erwarten. Sie hat sich gegen Steuern auf große Vermögen und Erbschaften entschieden.

All das rückt angesichts des Krieges in den Hintergrund. Für den Einmarsch russischer Truppen in die Ukraine gibt es keine Rechtfertigung. Was die Menschheit braucht, ist Entmilitarisierung, Abrüstung, Frieden.