DS Smith schließt fünf Werke
500 Beschäftigten droht der Verlust ihres Arbeitsplatzes | International Paper als Treiber
Zehn Monate nach der Übernahme von DS Smith radiert der neue Eigentümer fünf Werke in Deutschland von der Konzernlandkarte: International Paper will die Standorte Hövelhof, Paderborn, Mannheim, Endingen und Donauwörth schließen, außerdem die Produktion in Hamburg. 500 Beschäftigte sollen ihren Arbeitsplatz verlieren – fast jeder fünfte bei DS Smith in Deutschland.
Führungsriege ohne Mumm
»Wir haben befürchtet, dass der neue Eigentümer Arbeitsplätze abbauen wird«, sagt Jens Oppermann, stellvertretender Gesamtbetriebsratsvorsitzender von DS Smith. Zuvor waren bereits Werke in Großbritannien und Osteuropa geschlossen worden. »Aber mit diesem Kahlschlag haben wir nicht gerechnet.«
ver.di hält das Vorgehen für abgekartet. Auf der dreitägigen Betriebsrätekonferenz machte die DS-Smith-Führungsriege Andeutungen zu Investitionslücken und nicht erfüllten Renditeerwartungen. Doch so sehr die Betriebsräte nachbohrten, ob sie mit Schließungen rechnen müssten, die Antworten blieben vage. Im Wirtschaftsausschuss einen Tag später legten sie ihre Schließungspläne dann offen. »Die komplette Führungsriege hat nicht den Mumm, 70 Betriebsräte zu informieren. Erst im Wirtschaftsausschuss lassen sie die Bombe platzen. Und wir sieben«, sagt Jens Oppermann, »müssen dann die schlechte Nachricht in die Betriebe geben.«
Schäbig
Die Aufforderung der Unternehmensleitung, man werde Gegenvorschläge des Gesamtbetriebsrats prüfen, hält Oppermann für vorgeschoben. »Aus den Präsentationen war zu entnehmen, dass bereits detaillierte Pläne ausgearbeitet sind.« Als besonders schäbig bezeichnet Daniel Hirschi von ver.di die Begründung des Konzerns für die Schließungen. Die Betriebsräte hätten jahrelang auf den dringenden Bedarf von Sanierungen hingewiesen. Aber nichts sei passiert. »Nun sollen die Beschäftigten für die Versäumnisse des Unternehmens mit dem Verlust ihrer Arbeitsplätze bezahlen.« Er sieht International Paper, Weltmarktführer bei Verpackungen, als Treiber. Ziel des US-Konzerns sei, überhöhte Renditeerwartungen zu erfüllen.
Nicht ohne Gegenwehr
»Die Kollegen waren ganz still, als sie von der Schließung erfahren haben«, berichtet Jens Oppermann, der zum Paderborner Werk gereist war. Der Konzern macht Druck, schnell einen Interessenausgleich und Sozialpläne abzuschließen. Die Betriebsräte tauschen sich erst einmal aus, die ver.di-Mitglieder vernetzen sich, Wirtschaftsprüfer sind beauftragt. Gegenwehr ist sicher.
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