Coveris schließt Werk in Neuwied
Zukunftskonzept des Betriebsrats abgelehnt | Belegschaft protestiert
Belegschaft und Betriebsrat fühlen sich getäuscht. Statt wie versprochen in den Standort Neuwied zu investieren, will Coveris die Produktion zum Jahresende stilllegen und die Aufträge in die Werke nach Warburg und Pirtó in Ungarn verlagern. »Wir gehen davon aus, dass die Schließung von langer Hand geplant war«, sagt Betriebsratsvorsitzender Rolf Kurz. »Zugesagt war ursprünglich, den Standort zu einem Zentrum der Beutelproduktion zu machen.« In Neuwied werden Beutel für Tiernahrung, Süßwaren, Kaffee und Tee hergestellt. Nun stehen die Arbeitsplätze der 94 Beschäftigten auf der Kippe.
Maschinen verlegt
In den Jahren 2024 und 2025 wurden bereits 100 Arbeitsplätze gestrichen – eine Halbierung der Belegschaft. Die Unternehmensführung sprach damals noch vom Zukunftspotenzial des Standorts. Doch die Fakten waren andere: Coveris verfrachtete die fünf Beutelmaschinen, die nach der Schließung des Werkes in Bruchsal nach Neuwied gebracht worden waren, bereits nach wenigen Monaten nach Ungarn. Maschinen für Tiefdruck und Kaschierung wurden im Frühjahr ins Werk nach Halle/Westfalen verlegt. Dort investierte das Unternehmen fast zehn Millionen Euro.
Nach Neuwied hingegen floss kein Geld. Seit kurzem werden Aufträge aus Neuwied in Pirtó produziert. Vertrauensleutesprecher Nicola Sabatino vermutet, dass Coveris den ungarischen Standort wegen der niedrigeren Energiekosten und Löhne bevorzugt. Und Gewerkschaften sind dort auch nicht beteiligt. Er glaubt, dass der Standort Neuwied nur so lange gehalten wird, bis die Produktion in Ungarn vollständig läuft. Und solange der Sanierungstarifvertrag von 2021 gilt. Bis Ende des Jahres darf Coveris nicht betriebsbedingt entlassen. Im Gegenzug verzichtete die Belegschaft auf die volle Jahressonderzahlung und arbeitete 2,5 Stunden pro Woche gratis. Es ist nicht der erste Verzicht. »Seit 2002 bis heute hat jeder von uns dem Unternehmen knapp 90.000 Euro geschenkt«, sagt Rolf Kurz
Industriearbeitsplätze erhalten
Die Schließung wollen die Beschäftigten nicht hinnehmen. Sie sammelten Unterschriften, luden die rheinland-pfälzische Ministerin für Arbeit und Soziales zu einer ganztägigen Betriebsversammlung ein, informierten die Öffentlichkeit. ver.di und die Technologieberatungsstelle erarbeiteten ein Zukunftskonzept mit Maßnahmen zum Erhalt der Industriearbeitsplätze. All das, was Coveris unterlässt. Das Zukunftskonzept lehnte das Management ab. Das will ver.di nicht hinnehmen. »Wir werden weiter versuchen, die Geschäftsführung vom Konzept zu überzeugen«, sagt Ferhat Altan von ver.di.
Für die vielen 45- bis 55-jährigen Beschäftigten ist ein Jobwechsel schwierig. Denn rund um Neuwied bauen auch andere Firmen Arbeitsplätze ab. Anders das Management. Dort wechselt es sich leichter. Innerhalb von zehn Jahren ist nun der 22. Geschäftsführer im Werk.
Coveris ist ein europäisches Verpackungsunternehmen mit Hauptsitz in Wien. Das Unternehmen gehört einer privaten Investmentgesellschaft in den USA. In Deutschland hat Coveris neben Neuwied drei weitere Standorte in Warburg, Rohrdorf und Halle/Westfalen (tarifgebunden).
Damit der Chef nicht allein bestimmt
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