
»Es war mitten in der Corona-Pandemie, als ich dachte, dass es beruflich Zeit für etwas Neues ist. Wegen der Beschränkungen kam nur ein Fernstudium infrage. Ich habe mich für den Industriemeister entschieden, Unterlagen zugeschickt bekommen, und dann hieß es: Selbststudium. Nach etwa einem halben Jahr habe ich abgebrochen. Wenn ich gewusst hätte, dass ich kein Mensch für das Online-Lernen bin, hätte ich mich direkt für eine Weiterbildung vor Ort entschieden. Ich hatte schon meine Ausbildung zur Packmitteltechnologin bei Heidelberger Druckmaschinen gemacht und dort ein paar Jahre Berufspraxis in der Weiterverarbeitung gesammelt. Zum Glück haben sich 2023 sieben Kolleg*innen im Betrieb gefunden, die alle die Weiterbildung zum Medienfachwirt machen wollten. Wir haben bei der IHK Rhein-Neckar angefragt, ob sie die Weiterbildung für uns anbieten, und es hat geklappt!
Durchhalten ist angesagt
Der Unterricht war immer samstags und dienstags nach der Arbeit im Betrieb – man hat sich nach der Arbeit umgezogen und ist in den Unterrichtsraum gegangen. Nur für die Prüfungen mussten wir zur IHK nach Mannheim fahren. In den Modulen zur Druckvorstufe oder Drucktechnik kannte ich mich natürlich gut aus, aber bei Themen in BWL, Kalkulation oder Personalmanagement war vieles neu für mich. Vor allem in Kalkulation hat es gedauert, bis ich mich da reingefuchst hatte. Interessant fand ich Marketing und Werbung. Auch vom Lernpensum fand ich es machbarer, als ich anfangs dachte. Trotzdem braucht es Durchhaltevermögen: Ich hatte mir fest vorgenommen, regelmäßig Stoff zu Hause zu wiederholen, aber mit der Zeit habe ich das immer weniger geschafft. Leider konnte ich kein Aufstiegs-BAföG beantragen, weil ich das für den Industriemeister schon gemacht hatte. Ich habe die Kosten für die Weiterbildung dann mit Erspartem gestemmt. Im Juni bin ich mit der Weiterbildung fertig geworden. Ich mache den gleichen Job wie vorher, aber das ist in Ordnung für mich. Ich arbeite an einer Faltschachtelklebemaschine mit Faltschachteln, die flach herauskommen, zum Beispiel Kartons für Tiefkühlpizza. Was mir großen Spaß macht, ist, Kund*innen an den Maschinen zu zeigen, wie Prozesse funktionieren, wie man zu einer Lösung kommt, oder Trainings zu geben und zusammen Tests zu machen. Vielleicht kann ich als Nächstes in Richtung Technischer Betriebswirt gehen, um noch mehr Verantwortung übernehmen zu können.«
Rund um die Weiterbildung
Beginn der Qualifikation: in der Regel im September/Oktober, vereinzelt auch Beginn im Frühjahr
Aufnahmevoraussetzungen: abgeschlossene Ausbildung in einem anerkannten Ausbildungsberuf der Druck- und Medienwirtschaft mit einjähriger Berufspraxis. Alternativ technische Ausbildung plus dreijährige einschlägige Berufspraxis
Dauer: Vollzeit (ca. 7–12 Monate) oder Teilzeit (ca. 20–26 Monate), auch als Online-Lehrgang möglich
Ort/Anbieter: z.B. IHK Rhein-Neckar, IHK München und Oberbayern
Kosten: Gebühren und Aufwendungen für Lernmittel und Prüfungen sind unterschiedlich. In der Regel zwischen 5.000 und 10.000 Euro
Förderung: Aufstiegs-BAföG t1p.de/bafoeg-Aufstieg
Abschluss: Geprüfte*r Medienfachwirt*in – Bachelor Professional in Media
Weitere Infos:
https://zfamedien.de/weiterbildung/industriemeister/
https://web.arbeitsagentur.de/berufenet/beruf/133354#zugangAnforderungen
https://www.bibb.de/dienst/berufesuche/de/index_berufesuche.php/profile/advanced_training/FwMe2020
Pia Krupp, 29, hat nach ihrer Ausbildung zur Packmitteltechnologin die Weiterbildung zur Medienfachwirtin Print absolviert. Bei Heidelberger Druckmaschinen in Wiesloch arbeitet sie als Instrukteurin für Faltschachtelklebemaschinen.
Damit der Chef nicht allein bestimmt
Wellpappe kriselt
Tarifverzicht
Durchbruch in der Nacht