Der bitterböse Friederich – oder: Merz hat Stadtbild

»Der Friederich, der Friederich, das war ein arger Wüterich«, heißt es im Struwwelpeter. Jetzt spricht der Wüterich schon wie einer von der AfD. Angeblich, um die Brandmauer nach rechts zu stärken. Brandmauern sollen das Übergreifen eines Feuers aufs Nachbarhaus verhindern. Wenn der CDU-Kanzler spricht wie ein AfD-Spitzenkandidat aus Thüringen, brennt es aber längst in der eigenen Hütte. Natürlich ist das rassistisch.
Beim Stadtbild geht es um die Erscheinung: Wer fremd aussieht, stört – egal, was er macht! Der Sheriff mit dem Sauerlandstern sprach eben nicht von Kriminellen, Hooligans oder feuchtfröhlichen Junggesellenabschieden, sondern von Andersaussehenden, die es abzuschieben gilt, damit die Fußgängerzone von Brilon wieder aussieht wie 1937. Dabei – Achtung: Doppelmoral – stören sich auch Konservative nicht überall an fremd aussehenden Menschen: Wenn reiche Prinzen aus Saudi-Arabien nebst Gattinnen zum Shopping auf Münchens Leopoldstraße flanieren, werden sie in jedem Geschäft mit Champagner begrüßt. Wenn aber nicht so reiche Menschen mit einem graduell dunkleren Teint als dem sauerländischen gesichtet werden, stören sie Merz’ Stadtbild. Dabei sind in vielen Kleinstädten Thüringens/ Sauerlands Döner-Läden die einzigen, die überhaupt noch Stadtbild machen. Alle anderen sind längst dicht.
Natürlich gibt es Probleme im Stadtbild: Wir bestellen immer mehr bei Amazon, weshalb stetig mehr Geschäfte schließen und neben leeren Pizzakartons nur noch wild geparkte E-Scooter das Stadtbild bestimmen. Woraufhin noch weniger Leute in die Fußgängerzone kommen. Unser Konsum hat dafür aber Jeff Bezos so reich gemacht, dass er mit seinen 1.000 besten Freunden drei Tage lang in Venedig Hochzeit feiern und das Stadtbild bestimmen durfte. Friedrich Merz hat brav gratuliert.
Robert Griess
www.robertgriess.de
Damit der Chef nicht allein bestimmt
Wellpappe kriselt
Tarifverzicht
Durchbruch in der Nacht