Chillen war gestern

In Griechenland wird der 13-Stunden-Tag wieder eingeführt. Und die Bild-Zeitung, das Fachblatt für Sozialneid von oben, fragt voller Vorfreude: »Ein Modell auch für uns?« Friedrich Merz scharrt auch schon mit den Hufen und fordert seine Ministerin Bas zum Bullshit-Bingo beim Bier. Doch warum nur 13 Stunden? Schäuble und Merkel meinten einst, die Griechen chillten eh zu viel. Wenn die Hellenen also 13 Stunden machen, schaffen wir fleißige Deutsche doch locker 17 oder 18 Stunden!
Und wenn wir schon mal dabei sind, warum nicht gleich weitere Rückschritte? Schließlich hat der Kanzler den »Herbst der Reformen« ausgerufen. Wehrpflicht für langzeitarbeitslose Bürgergeldempfänger und Rentner: 15 ineinander verhakte Rollatoren sind eine 1-A-Panzersperre! Wohnungsnot in Großstädten: Brücken werden zu Resorts erklärt, in denen legale Schlafplätze im Drei-Schicht-System zum Wohn-Sharing vermietet werden. Unter der Leverkusener Brücke an der A 1 ist am Rheinufer genug Platz für 3.000 Kojen mit je einem Bett, Spind und Stuhl – bietet in drei Schichten 9.000 Menschen Obdach!
Oder Mobilität: 2026 wird Master-of-desaster Andi Scheuer neuer Bahn-Chef. Erste Amtshandlung: Ab 1. März 2026 fahren alle Züge der Deutschen Bahn wieder pünktlich. (Das war schon die Pointe.) Stichwort Rente: Ab 2030 wird das Eintrittsalter auf 85 erhöht und dann kommt die Einheitsrente: Alle kriegen gleich viel – nämlich nix! So lösen Macher Probleme. Merkste was? Einmal erkämpfte Errungenschaften gelten nicht selbstverständlich bis in alle Ewigkeit. Retro und Vintage gelten nicht nur für Secondhand-Klamotten, sondern auch für reaktionäre Ideen: Alles kommt wieder! Ich freue mich schon auf die Zeit, wenn mal wieder Respekt, Solidarität und Intelligenz im Trend liegen. Bis dahin: schöne 13-Stunden-Tage!
Robert Griess
www.robertgriess.de
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