
Hans Roch, 32, führt eine kleine Druckerei in Dillingen. Der gelernte Offsetdrucker hat vorher die Weiterbildung zum Techniker in der Fachrichtung Druck- und Medientechnik absolviert.
»Ich komme aus einem Familienbetrieb: Die Druckerei Roch gibt es seit über 120 Jahren. Vor fünf Jahren habe ich die Druckerei von meinem Vater übernommen. Ich hätte auch etwas anderes machen können, da gab es nie Druck. Aber mir macht das Handwerk Spaß, die Abwechslung, die es mit sich bringt, und dies alles den Kunden und Kundinnen näherzubringen.
Vor der Prüfung nachts gelernt
2008 bin ich für meine Ausbildung zum Offsetdrucker nach Immenstadt im Allgäu gegangen. Ich wollte einen anderen Betrieb kennenlernen. Nach ein paar Jahren im Job und als absehbar war, dass ich den heimischen Betrieb bald übernehme, habe ich angefangen, online nach Weiterbildungen zu recherchieren. Ich habe mich dann für die Vollzeit-Weiterbildung in Stuttgart entschieden, weil ich in der Stadt Freunde hatte – da war ich 22. Vom Jobben hatte ich Geld zurückgelegt, damit ich gut durch die zwei Jahre komme. Die Suche nach einer WG und der Umzug waren zum Glück unproblematisch.
In unserer Klasse waren wir circa 20 Leute, die kamen aus allen Teilen der Branche. Ich habe eher zu den Jüngeren gehört. Die Ausbildung war sehr breit aufgestellt – wir hatten über 20 Fächer und es war einiges dabei, von dem ich davor noch nie gehört hatte. Zum Beispiel betriebliches Rechnen oder Betriebskommunikation. Hilfreich war, dass wir alle Adobe-Programme kennengelernt haben. Englisch fiel mir zum Beispiel sehr leicht, da habe ich stark von meiner Zeit im Ausland profitiert. Allerdings war es nicht so leicht, wieder in das Lernen reinzukommen und den Stoff in den Kopf zu kriegen. Man musste sich schon ab und zu nach der Schule hinsetzen und es gab zu Prüfungszeiten auch Phasen mit Nachtschichten.
Ab 2018 habe ich mich zwei Jahre in den Betrieb eingearbeitet und ihn 2020 – mitten in der Pandemie – übernommen. Wir sind ein kleiner Betrieb mit fünf Mitarbeiter*innen – alle sind schon seit Jahrzehnten dabei. Wir haben viel Stammkundschaft und kleine Aufträge. Einen typischen Tag gibt es eigentlich nicht. Man schaut, was reinkommt, hat Kundentermine oder liefert aus. In einer kleinen Druckerei muss man alles machen: Wenn jemand Urlaub hat, bin ich dessen Vertretung, egal ob für die Mediengestalterin oder den Drucker. Mir hilft heute immer wieder, während der Weiterbildung ein Gesamtbild der Produktion kennengelernt zu haben. Mit diesem grundsätzlichen Know-how in allen Bereichen kann einem keiner erzählen, dass etwas nicht geht.«
Rund um die Weiterbildung
Beginn der Qualifikation:
In der Regel im August/September
Aufnahmevoraussetzungen:
abgeschlossene Ausbildung in einem anerkannten Ausbildungsberuf der Druck- und Medienwirtschaft mit ein- jähriger Berufspraxis
Dauer: Vollzeit (2 Jahre) oder Teilzeit (4 Jahre, teilweise 3 Jahre)
Ort/Anbieter: Johannes-Gutenberg- Schule Stuttgart, Ernst-Litfaß-Schule Berlin, Berufskolleg Senne Bielefeld, Carl-Hofer-Schule Karlsruhe, Berufskolleg Kartäuserwall Köln etc.
Kosten: unterschiedlich, z.B. Johannes- Gutenberg-Schule Stuttgart: keine Studiengebühren (allerdings Kosten für Lernmittel oder Exkursionen)
Förderung: z.B. Aufstiegs-BAföG (siehe t1p.de/aufstiegs–bafoeg)
Abschluss: Staatlich geprüfte*r Techniker*in Fachrichtung Druck- und Medientechnik
Quellen: t1p.de/druck-u-medientechnik und t1p.de/zfa-d-u-mt
Damit der Chef nicht allein bestimmt
Wellpappe kriselt
Tarifverzicht
Durchbruch in der Nacht