Aus den Betrieben

Neue Chefs gesucht

apm-Druckerei in Darmstadt im Insolvenzverfahren | Vertrauen von ver.di in die Eigner ist erschöpft | 
37 Kündigungen sind geplant | Ein Käufer ist interessiert |

Es klingt paradox: Die Maschinen der apm-Druckerei in Darmstadt laufen rund um die Uhr. Weil das rund 150-köpfige Personal nicht ausreicht, sind Leiharbeitskräfte im Betrieb. Bis Jahresende gibt es reichlich 
zu tun. Auch für 2019 hat die Druckerei Produktionsverträge. Trotzdem stellte die Geschäftsführung Ende Juli beim Amtsgericht Darmstadt einen Insolvenzantrag. 
Am 1. Oktober wurde das Insolvenzverfahren für die apm Produktions GmbH 
eröffnet. Das Sagen hat seitdem die Insolvenzverwalterin.

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Betriebsratsvorsitzende Rita Winkels und ihr Stellvertreter Armin Weinlich fürchten, dass fast ein Drittel 
der apm-Belegschaft gehen muss. 

Die apm-Druckerei ging unter anderem aus einem Gewerkschaftsbetrieb hervor – der traditionsreichen Union-Druckerei in Frankfurt, die 2003 geschlossen wurde. Geschäftsfelder, Kunden und ein Teil der Belegschaft wurden von apm übernommen. Drei Jahre später übernahm eine Investorengruppe unter Führung von Torsten Voß und Andrew Seidl aus Dresden die Alpha Print Medien.

»Die finanziell gut ausgestattete AG war damals offenbar höchst attraktiv für Voß und Seidl«, sagt Manfred Moos von ver.di 
in Hessen. Allerdings seien die beiden ihrem Ruf als Investoren nicht gerecht geworden. »Das Kapital ist offensichtlich aufgebraucht. Eigenes Geld haben Voß und Seidl nach 
unserer Kenntnis nie in den Betrieb gesteckt, obwohl der Maschinenpark erneuert werden müsste.«

Fehlendes unternehmerisches Können

apm-Gesellschafter Voß sieht das so: »Gut eine Million Euro betrug seit zwölf Jahren das jährliche Defizit.« Man käme mit dem Unternehmen nicht auf einen grünen Zweig. »Wir haben zu viel Personal an Bord.« Dem widerspricht Andreas Fröhlich, Gewerkschaftssekretär beim ver.di-Bundesvorstand: »Nicht zu viel Personal, sondern zu wenig unternehmerisches Können ist das Problem der apm.« Das Vertrauen in die Gesellschafter Voß und Seidl sei erschöpft.

Anfang 2017 teilten die Gesellschafter den Betrieb auf. Die Belegschaft landete bei der apm Produktions GmbH, die nun im Insolvenzverfahren steckt. Die apm AG hingegen verfügt frei über die Maschinen, die Gebäude und Kundenaufträge – dort hat die Insolvenzverwalterin nichts zu sagen.

Bislang sind laut Gesellschafter Voß nur zwei kleinere Druckkunden abgewandert. Aber alle Stammkunden schauen genau und wohl auch nervös nach Darmstadt. Auch wenn im Insolvenzverfahren ihre Aufträge bisher weiter komplett und pünktlich erledigt wurden. Die Insolvenz sei eine »dumme Geschichte«, sagt Thomas Köhler, Vertriebsleiter für die Mitgliederzeitschrift der IG Metall. apm druckt die Metallzeitung mit sieben regionalen Ausgaben und vielen Lokalseiten. Thomas Köhler: »Wir hoffen, dass wir weiter mit der apm-Belegschaft zusammenarbeiten können.« Außerdem könne man 2,3 Millionen Exemplare nicht mal eben woanders drucken lassen.

Alter Standort – neuer Besitzer

»Bei den Gewerkschaften ist man sich der Verantwortung für den Betrieb und die 
Beschäftigten bewusst«, sagt auch Manfred Moos. ver.di lässt achtmal im Jahr die knapp zwei Millionen starke Auflage ihrer Mitgliederzeitung publik bei apm drucken, außerdem die DRUCK+PAPIER. ver.di unterstützt den Betriebsrat seit Monaten.

Die Unternehmer Seidl und Voß suchen Käufer. Laut Voß gibt es drei Kandidaten. Ein Manager aus der Branche ist interessiert: »Wir wollen den Standort erhalten und 
fortführen.« Allerdings gestalte sich der 
Verkaufsprozess sehr langsam.

Offenbar wäre es auch wichtigen Kunden recht, nicht dauerhaft mit Torsten Voß zusammenarbeiten zu müssen. Denn Voß ist mit Maximilian Krah befreundet – dem stellvertretenden AfD-Landesvorsitzenden in Sachsen. Zusammen hielten sie jüngst zwei wirtschaftspolitische Vorträge, die von der AfD verbreitet werden. Das sei keine Aktivität für die AfD gewesen, sagt Voß dazu. »Ich bin ein komplett überzeugter Demokrat und Europäer.« Ob er AfD-Mitglied ist, lässt er offen.

Die unsichere Zukunft mache allen im Betrieb zu schaffen, sagen Betriebsratsvorsitzende Rita Winkels und ihr Stellvertreter Armin Weinlich. Jüngere Facharbeiter seien schon abgewandert. In Darmstadt bleiben die älteren, gleichwohl qualifizierten. Weil sich die Druckerei ab 2019 auf ihre Stammkundschaft konzentrieren und unlukrative Aufträge abstoßen will, drohen jetzt 
37 Kündigungen. Dafür muss ein Sozialplan ausgehandelt werden. »Jetzt haben wir ein Durchschnittsalter von 50 Jahren«, sagt Rita Winkels. Sie selbst ist 60. »Wenn das Ding zugenagelt wird, fehlen mir noch Jahre bis zur Rente.«