Unterwegs zu den Gewinnerinnen
»Wirst du es schaffen, den Wahnsinn zu meistern?« Das ist jedenfalls Ziel des Lernspiels von Pai Hawlik und Sophia Oster, die den Druck & Medien Award in der Sparte Heidelberg Award gewonnen haben.

Mit »Crazy Client« haben die beiden Mediengestalterinnen der Frankfurter Gutenbergschule (heute Anni-Albers-Schule) die Jury überzeugt. Ihre Idee stammt aus eigener Erfahrung: Viele Azubis in der Mediengestaltung arbeiten in ihren Ausbildungsbetrieben mit vorgegebenen Logos, Farben und Schriftarten, haben also wenig Erfahrung mit den speziellen Wünschen unterschiedlicher Kund*innen. Suchen sie dann eine Stelle, fehlen ihnen die breiteren Kenntnisse, wie sie etwa Werbeagenturen wünschen. Deshalb können Auszubildende ebenso wie Quereinsteiger*innen mit dem Lernspiel fiktive Aufträge abarbeiten.
Eigenwillige Kundschaft
Für junge Leute nicht ganz so einfach sei Kundschaft, die Wert auf ein besonders seriöses Design legt, sagen die 22 und 23 Jahre jungen Mediengestalterinnen. Deswegen ist auf den sechseckigen Auftragskarten eine gediegene Anwaltskanzlei dabei, die sich edel und zeitlos präsentieren will. Es gibt auch ein Restaurant, das sich ein modernes Design wünscht, eine Autovermietung, ein Yoga-Studio, eine Umweltorganisation und eine Dating-Agentur. Für das Mühlbergfestival, das neue T-Shirts entwickeln möchte, hat Sophia Oster tatsächlich einmal T-Shirts entworfen.
Die beiden Mediengestalterinnen, die sich schon seit der Ausbildung kennen, haben auf jedes Detail geachtet – vom farbigen Spielkarton im Bubblemuster über die sechseckigen Client-Boards mit den anzulegenden Style-Cards bis zum Design-Booklet. Damit es nicht langweilig wird, gibt es Aktionskarten, mit denen die Kund*innen – natürlich ganz zum Schluss – noch Sonderwünsche anmelden. »Das ist wie im echten Leben«, sagt Pai Hawlik. Und die liebevoll gezeichneten Crazy Clients (etwa: verrückte Kundschaft) drücken sich auch so ungenau aus wie viele reale Kund*innen. Die Spieler*innen sollen für sie Logos, Plakate, Flyer und Webseiten gestalten, die sie mit Beispielen auf einem USB-Stick vergleichen können. Damit es mehr Spaß macht, gibt es eine Playlist mit Pop, Rock und Techno, die sich per Scan anhören lässt.
Wie Bolle gefreut
Ein Jahr lang haben sich Sophia Oster und Pai Hawlik »durchgebissen, Sponsoren gefunden und alle Höhen und Tiefen durchlebt«, um das Spiel schließlich in einer Auflage von 50 Exemplaren herauszubringen, berichtet Schulabteilungsleiter Steffen Kopp. Das gelte aber auch für die anderen Teams, die alle »nicht für die Tonne« produziert hätten: Auch das Gesprächskartenset für die Ausbildung von Erzieher*innen, der Veredelungskatalog »Hapti:Print« und das Kinderbuch »Freundschaft al dente« wurden mithilfe von Sponsoren in kleinen Auflagen gedruckt.
Drei der Abschlussprojekte schafften es in diesem Jahr unter die Finalisten. Mit einer 13-köpfigen Delegation fuhr die Schule zur Gala des Deutschen Drucker Verlags nach Berlin. Und gewann auch den dritten Platz für das interaktive Kinderbuch mit seinen zehn Geschichten, bei denen der Nachwuchs das Ende selbst bestimmt. Zusammenfassung von Steffen Kopp: »Wir freuen uns wie Bolle.«
Die beiden Erstplatzierten Sophia Oster und Pai Hawlik arbeiten mit ihrem Bachelor-Abschluss Professional für Gestaltung nun für die Werbeagentur Taurus in Waldaschaff und die Grafik der Messe in Offenbach.
Erster Platz beim Heidelberg Award – Pai Hawlik (li.) und Sophia Oster
Damit der Chef nicht allein bestimmt
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