Mein Standpunkt

Was hältst du von einem Pflichtjahr für Rentner*innen?

»Ich kriege die helle Wut, wenn ich mir vorstelle, nach 48 Jahren Erwerbsarbeit noch ein Pflichtjahr dranhängen zu müssen. Denn so stellt sich das der Präsident des Deutschen Wirtschaftsinstituts vor. Marcel Fratzscher fordert ein verpflichtendes soziales Jahr für Rentner*innen – in Schulen, Kitas, Krankenhäusern, sogar beim Militär. Eine Ausnahme macht er nur für Kranke.

Mir ist soziales Engagement wichtig. Ich bin in ver.di-Gremien aktiv, ehrenamtliche Arbeitsrichterin und ehrenamtliche Versichertenberaterin für die Rentenversicherung. Und ich werde auch als Rentnerin aktiv bleiben. Aber ich möchte selbst entscheiden, wann und wie viel ich tue. Denn darauf freue ich mich im Ruhestand: wieder selbst über meine Zeit entscheiden zu dürfen. Übrigens sind bereits über 40 Prozent der Menschen im Ruhestand laut Bundesfamilienministerium ehrenamtlich aktiv.

Schlimm finde ich, wie er die Spaltung zwischen jungen und alten Menschen befeuert. Wir, die künftigen Rentner*innen, hätten die Lebenschancen der Jungen beraubt. Junge Menschen müssten heute mehr arbeiten und länger zahlen. Schauen wir uns die Rentenkasse an. Die jeweiligen Regierungen haben entschieden, daraus Leistungen zu finanzieren, die wichtig und gerecht sind, wie die Mütter- und die Grundrente. Doch die Leistungen müssten alle Steuerzahler*innen stemmen, nicht nur die gesetzlich Versicherten.

Elke Gensel arbeitet bei Funke Publishing, Betrieb PrePress in Erfurt, und ist Mitglied im Bundesfachgruppenvorstand DVPI. Foto: privat

Ich stimme Herrn Fratzscher in einem Satz zu: Wir brauchen einen Ausgleich von Reich zu Arm. Da hat er recht! Aber nicht als Boomer-Soli, wie von seinem Institut vorgeschlagen: wohlhabende Senior*innen finanzieren arme Rentner*innen. Wir brauchen eine echte Umverteilung: Besteuert endlich die Superreichen! Und kommt nicht auf die Idee, mich in der Rente zwangsweise zu verpflichten!«