Zum Nachmachen empfohlen
»Streik doch einfach mit!« Ein Buch über die Erfahrungen beim Bundesanzeiger Verlag
»Mir stonn he beim Dumong vür de Dür« – so beginnt die Streikhymne, mit der sich die Kolleg*innen Mut machten in einem der längsten Streiks der Gewerkschaftsbewegung in Köln: 138 Tage beim Bundesanzeiger Verlag. Nachzulesen in einem gerade erschienenen Buch, das die Erfahrungen in diesem Teil des mächtigen Dumont-Konzerns produktiv machen möchte für Arbeitskämpfe in Dienstleistungsbranchen insgesamt, schreibt Witich Roßmann, Vorsitzender des DGB-Stadtverbandes Köln.
Viele weitere Kolleg*innen kommen zu Wort, die den Streik für einen Tarifvertrag getragen haben. Die meisten nennen ihren vollen Namen nicht – angesichts des »toxischen Führungsstils« des Verlagsgeschäftsführers, der »bis heute Repressions- und Hetzkampagnen« gegen Beschäftigte führt, heißt es im Vorwort. Doch trotz der Repressionen und Monopolstellung des Verlags hätten die Kolleg*innen mit Aktionen dem Konzern Nadelstiche versetzt und sich nicht von der Arroganz der Macht einschüchtern lassen, erklärt Jan Schulze-Husmann, ver.di- Sekretär und Mitherausgeber.
Die Auseinandersetzung in Köln vollzieht die Ereignisse nicht nur nach, sondern ist gutes Beispiel für Tarifkämpfe in Fachverlagen. Das gilt auch für die Einbeziehung von befristet Beschäftigten und Leiharbeitskräften. Zeitweise waren bis zu 40 Prozent der 800-köpfigen Belegschaft in unsicheren Beschäftigungsverhältnissen.
Die Streiks sind vorläufig ausgesetzt. Denn der Geschäftsführer, politisch bei der FDP verwurzelt, verweigerte jedes Gespräch über Tarife – Urteil einer Kollegin über die Konzernoberen: »niveaulos, dreist, dikta- torisch«. Trotzdem halten Kolleg*innen auch die Erfolge der Streiks fest: den außergewöhnlichen Zusammenhalt, die Uner- schrockenheit und kreative Kraft. Ein Lehrbuch im besten Sinne: gut zu lesen, zum Nachmachen empfohlen.
Streik doch einfach mit! 138 Tage Arbeitskampf beim DuMont-Konzern
Jan Schulze-Husmann/Peter Trinogga/Aktivenkreis Bundesanzeiger (Hrsg.)
In der Reihe WIDERSTÄNDIG beim VSA-Verlag
168 Seiten, Dezember 2025, 12 Euro
ISBN 978-3-96488-246-2

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