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Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Chef

Nicht alle Betriebe halten sich an die Corona-Regeln | Gesundheit der Belegschaften gefährdet

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Eine Druckerei in Bayern: Emilia Bergner hat Pause, als sie zufällig erfährt, dass eine Kollegin, mit der sie vor wenigen Tagen an der Maschine gearbeitet hatte, positiv auf Corona getestet wurde. Die Kollegin hatte immer wieder die Maske abgesetzt, weil sie schlecht Luft bekam und sich krank fühlte. »Wir haben weniger als einen Meter nebeneinandergestanden, eine ganze Schicht lang. Warum hat mich mein Chef nicht informiert?«

Emilia Bergner geht sofort nach Hause. Denn sie möchte niemanden im Betrieb gefährden, falls sie sich angesteckt haben sollte. Sie meldet sich beim Gesundheitsamt und lässt sich testen: negativ.

In der Druckerei treten weitere Covid-19-Fälle auf. Beschäftigte beschweren sich beim Betriebsrat, dass sie nicht ausreichend geschützt werden. Wie Emilia Bergner, die ihren richtigen Namen nicht nennen möchte, fürchten auch sie, den Arbeitsplatz zu verlieren, wenn sie öffentlich machen, um welchen Betrieb es sich handelt.

Die Druckerei wäre verpflichtet gewesen, Emilia Bergner über die Ansteckung der Kollegin mit Covid-19 zu informieren, da es sich hier um einen Kontakt der Kategorie 1 nach den Richtlinien des Robert Koch-Instituts handelte. Denn erst wenn Emilia Bergner von der Erkrankung wisse, könne sie sich testen lassen und ihr persönliches Umfeld schützen, erklärt Daniel Wall von der Rechtsanwaltskanzlei Schwegler.

Immer die gleichen Betriebe auffällig

Eine Ausnahme? Das weiß niemand genau. Denn ob Betriebe Corona-Verordnungen einhalten, wird oft nicht überprüft. Von den sonst üblichen 6.000 Druck- und Papierbetrieben, die die Berufsgenossenschaft Energie Textil Elektro Medienerzeugnisse (BG ETEM) normalerweise pro Jahr überprüft, wurden 2020 nur etwa 4.500 besichtigt. Bei insgesamt rund 64.000 Betrieben vergehen rechnerisch 14 Jahre bis zu einer Prüfung. Dem widerspricht der Pressesprecher der Berufsgenossenschaft Christian Sprotte. Das Vorgehen sei anders: Betriebe mit hohem Unfallrisiko würden häufiger besichtigt als Betriebe mit geringem Risiko. Demnach werden also manche Unternehmen noch seltener als alle 14 Jahre geprüft.

Bei etwa zehn bis 15 Prozent der überprüften Betriebe seien 2020 Verstöße festgestellt worden, weil Masken nicht getragen oder Abstände nicht eingehalten wurden. »Betriebe, die sonst auffällig sind, fallen auch bei den Corona-Maßnahmen negativ auf.«

Mitten in die Corona-Pandemie fällt die Tarifrunde der Papier-verarbeitung. Hier ist die Frühschicht von Coveris in Rohrdorf im Warnstreik.