Ausbildung

Von Zwist keine Spur

Der ZFA ist eine besondere Institution: Ob Praktiker*innen oder Lehrende, Gewerkschaft oder Unternehmerverband – sie alle haben das Ziel, gute Ausbildungen zu sichern. Und er ist einzigartig. Das gibt es in keiner anderen Branche. Viele loben die gute Zusammenarbeit. Ein Ehrenamtlicher: »Das Tolle am ZFA ist, dass wir fachliche Diskussionen haben, ganz ungeachtet, ob jemand von ver.di oder vom Unternehmerverband entsandt wurde.« Ein anderer ergänzt: »Zwischen uns passt kein Blatt.«

ZFA – Zentral-Fachausschuss Berufsbildung Druck und Medien

Gewerkschaft und Unternehmerverband bvdm arbeiten im ZFA bestens zusammen. Die gemeinsame Einrichtung ist mittlerweile 71 Jahre alt. Ziel ist stets, die Qualität der Ausbildung zu fördern, einheitliche Prüfungsanforderungen und aktuelle Ausbildungsberufe sowie Ausbildungspläne zu entwickeln. Etwa 150 Ehrenamtliche erarbeiten schriftliche und praktische Aufgaben für die Zwischen- und Abschlussprüfungen für rund 10.000 Auszubildende in sechs Berufen. Immer geht es auch darum, die Berufsbilder weiterzuentwickeln, Neues anzustoßen wie Projekte rund um Augmented und Virtual Learning oder die Befragung nach der Zufriedenheit der Azubis in den Druck- und Medienberufen. »Ein ständiger Erfahrungs- und Informationsaustausch untereinander ist unerlässlich, wir können auf ein super Netzwerk zurückgreifen. Im ZFA laufen alle Fäden zusammen«, sagt ZFA-Geschäftsführerin Anette Jacob.

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Anette Jacob, 
Geschäftsführerin des ZFA
Foto: privat

Der Unternehmerverband

»Der ZFA garantiert für die Druck- und Medienberufe ein hohes Niveau der Ausbildung und der Prüfungen. Alle Beteiligte – Sozialpartner, Ausbilder, Berufsschullehrer – setzen sich dafür ein. Durch den regen Austausch zwischen den Akteuren im ZFA erhält der Verband wichtige Rückmeldungen darüber, wo es in der Ausbildung Probleme gibt oder neue Inhalte berücksichtigt werden müssen. Dabei pflegt der ZFA auch den regelmäßigen Kontakt mit dem Bundesinstitut für Berufsbildung und den zuständigen Ministerien. Die Teilnahme an den Projekten, wie beispielsweise Social Virtual Learning (SVL) oder Inklusion in der Produktion (InProD²), liefern Erkenntnisse über neue Ansätze der Wissensvermittlung. All dies garantiert eine zeitgemäße und attraktive Ausbildung in den Druck- und Medienberufen.«

Frank Fischer, Referent Bildungspolitik beim Bundesverband Druck und Medien (bvdm)

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Social Virtual Learning

Das ist eine neue Lernform. Abläufe an der Maschine werden für die angehenden Drucker*innen visualisiert. Mit Social Virtual Learning (SVL) wird eine virtuelle Umgebung inszeniert.

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Mit der 3-D-Brille in die Druckmaschine

»Ich habe die Druckmaschine viel besser verstanden, nachdem ich sie mir durch die 3-D-Brille anschauen konnte.« Jan-Christoph Eiting hat die Brille aus dem ZFA-Projekt Social Virtual Learning (SVL) genutzt, um sich auf seine Prüfung als Medientechnologe Druck vorzubereiten. »Mit der Brille konnte ich die einzelnen Teile einer Druckmaschine auseinandernehmen und wieder zusammensetzen.« Der Drucker arbeitet in dem Familienbetrieb Druckerei Eiting, in dem es keine Offsetdruckmaschine gibt. Der Offsetdruck ist aber eine verbreitete Drucktechnik im Bücher-, Zeitungs-, Werbe- und Verpackungsdruck. Dank der 3-D-Brille konnte er sich damit vertraut machen und hat die Prüfung geschafft.

Jan-Christoph Eiting, Medientechnologe Druck

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Videostill: Dominic Fehling

Die Gewerkschaft

»Der ZFA steht für eine hochwertige Ausbildung und ist immer wieder Vorreiter für moderne Ausbildungsmethoden. Bundeseinheitliche Prüfungsaufgaben und Standards garantieren, dass jeder und jede nach der Ausbildung über die erforderlichen Qualifikationen verfügt und sich im gesamten Bundesgebiet bewerben kann. Dazu trägt der ZFA mit solchen Projekten wie der 3-D-Brille bei, womit auch die Auszubildenden auf den neuesten Stand gebracht werden können, in deren Betrieben nur ein Druckverfahren angewendet wird. Weil immer weniger Druckereien ausbilden und die Zahl der Azubis sinkt, kann der ZFA mit Kampagnen und Informationen gegensteuern. Denn nur Ausbildung hilft gegen den Fachkräftemangel. Den ZFA wird es auch in zehn Jahren noch geben, wie die Berufe und die Druckindustrie auch. Allerdings anders als heute.«

Andreas Fröhlich, bei ver.di zuständig für Tarifpolitik, Industrie, Verlage, Druck und Papier

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1954 ist das Graphische ABC erstmals erschienen, heute heißt die Zeitschrift Druck- und Medien-Abc (hier die Abbildung von Oktober 2018). Sie erscheint einmal im Jahr und informiert über alles Wichtige zur Ausbildung in der Druck- und Medienbranche.

Die Mediencommunity für Azubis

Scheuerneigung? Falzfestigkeit? Rückstellkräfte? Was es damit auf sich hat, steht im Wiki – einem Online-Lexikon für Azubis aus den Druck- und Medienberufen. Lexikon und Wiki haben inzwischen 4.700 Fachbegriffe und 900 Seiten. Sie sind Teil der Mediencommunity, dem Wissensnetzwerk für die Druck- und Medienberufe. Das ist 2008 in einem Forschungsprojekt entstanden, wird vom ZFA getragen und weiterentwickelt. »Trotz sinkender Ausbildungszahlen steigen die Zugriffe«, sagt Thomas Hagenhofer, beim ZFA zuständig für Projekte. Neben den Wikis bietet die Website viel Nützliches zur Prüfungsvorbereitung. Nicht zu vergessen die Gruppen, die auf einzelne Themen spezialisiert sind und von Fachleuten betreut werden. In einem eigenen Lerncenter gibt es interaktive Lernmodule, Videos, Übungsaufgaben, Bewerbungstipps und vieles mehr.

www.mediencommunity.de

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Foto: privat

Der Sachverständige

»Wir haben das Berufsbild Mediengestalter*innen Digital und Print zwar erst vor sieben Jahren in Teilen novelliert, aber aus meiner Sicht wären jetzt wieder Änderungen nötig. In der Medienlandschaft, Print wie Digital, ändert sich vieles rasant. Ein Beispiel: Responsive Webdesign ist nicht mehr aus dem Berufsbild wegzudenken. Dabei wird eine Website so gestaltet, dass sich das Layout flexibel verändert und die Inhalte je nach Endgerät optimal anzeigt. Durch neue Endgeräte wie Smartwatches oder VR-, AR- und XR-Brillen hat sich die Bandbreite noch mal erweitert. Ob sich dadurch am Berufsbild etwas ändert, wie viel und was, das diskutieren wir ausführlich unter der Federführung des Bundesinstituts für Berufsbildung. Darüber kann ein Jahr vergehen, in dem wir uns ein halbes Dutzend Mal treffen, bis das neue Berufsbild steht.«

Uwe Zimmermann, Diplom-Designer, Dozent an der Hochschule Flensburg, Prüfungsaufgabenersteller und Sachverständiger für den Beruf Mediengestalter*innen Digital und Print, von ver.di entsandt

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Quelle: ZFA

Der Prüfungsaufgabenersteller

»Zuerst werten wir die letzte Prüfung aus. Bei welchen Aufgaben wurden die meisten Fehler gemacht? Gab es Kritik aus Prüfungsausschüssen und von den Prüflingen? Dann tüfteln wir – Lehrkräfte und Praktiker*innen – an den neuen Aufgaben. Wir mischen leichte und schwere Fragen und berücksichtigen die Prüfungsordnung. Ansonsten sind wir frei. Jeder bringt seine Ideen ein, die diskutieren wir, verwerfen sie, denken uns was Neues aus – wichtig ist, dass wir uns einig sind. Die Aufgabe hieß dann: ›Erstelle eine fünffarbige Vorlage und drucke das Motiv – etwa eine Katze – auf ein betriebsübliches Objekt.‹ Das Objekt können wir nicht vorgeben, weil die Betriebe mit unterschiedlichem Material arbeiten. Erschwerend kommt die Verwendung einer Schmuckfarbe hinzu; hier geht es um Passgenauigkeit. Die Prüflinge sollen ja auch ein bisschen ins Schwitzen kommen.«

Roland Neuburg, Siebdrucker, Prüfungsaufgabenersteller für angehende Medientechnolog*innen Siebdruck, von ver.di benannt

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Foto: Roland Neuburg