Papierverarbeitung

Den Einsatz belohnen

ver.di startet mit Beschäftigtenbefragung in die Tarifrunde für mehr Lohn

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DRUCK+PAPIER: Der Lohntarifvertrag läuft am 31. Januar 2021 aus. Wie will ver.di die Belegschaften aktivieren?

Frank Schreckenberg: Los ging es schon am 21. September in der Tarifkommission. Jetzt folgt die Beschäftigtenbefragung, inzwischen schon die dritte. Betriebsräte, Vertrauensleute und Gewerkschaftssekretär*innen verteilen Tarifinfos und Fragebögen an die Betriebe.

Ihr fragt sie, wie viel mehr Lohn ver.di fordern soll?

Klar. Wir wollen von ihnen wissen, welche Forderung angemessen ist. Und ob sie bereit sind, sich dafür einzusetzen. Weil immer auch andere Themen eine Rolle spielen, können uns die Kolleg*innen mitteilen, was ihnen sonst noch wichtig ist: mehr Freizeit, Altersteilzeit, ein Zusatzbeitrag von den Unternehmern für die betriebliche Altersvorsorge etc.

ver.di plant einen Arbeitskampf in Corona-Zeiten?

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Frank Schreckenberg, Tarifsekretär für die Papierverarbeitung bei ver.di

Wenn es nötig werden soll – warum nicht? Wir wären bei ver.di nicht die Ersten, die während der Pandemie auch streiken. Selbstverständlich werden alle Hygieneregeln eingehalten.

Anders als die Druckindustrie zählt die Papierverarbeitung eher zu den Corona-Gewinnern. Laut Unternehmerverband hpv ist der Inlandsumsatz im ersten Quartal etwa so hoch wie im Vorjahreszeitraum, der Umsatz pro Beschäftigten sogar noch höher. Es gibt also gute Gründe, mehr Lohn zu fordern?

Das sehen wir auch so. Gerade zu Beginn der Corona-Pandemie wurde viel bestellt und viel verpackt. Betriebe, die Verpackungen für Hygiene-, Sanitärartikel und Lebensmittel produzieren, waren sehr gut ausgelastet. Die Kolleg*innen haben vielfach Sonderschichten gefahren. Dieser Einsatz muss auch belohnt werden. Der Boom ist inzwischen zwar zurückgegangen, hat sich aber auf Normalniveau eingependelt. Probleme gab es bei Herstellern von Produkten für die Gastronomie, von Verpackungen für die Auto- und chemische Industrie sowie bei der Tapetenindustrie. Über die gesamte Branche hinweg haben wir aber eine wirtschaftlich stabile Situation. Es gibt keinen Grund, sich mit einer niedrigen Lohnerhöhung zufriedenzugeben oder lange Laufzeiten oder Einmalzahlungen zu akzeptieren.

Wie geht’s weiter?

Ende November ist die Beschäftigtenbefragung ausgewertet und die Tarifkommission wird die Forderung für die Lohnrunde beschließen. Mitte Januar 2021 geht es dann los. Wenn wir uns mit dem Unternehmerverband nicht einigen, richten wir uns ab 1. Februar auch auf Streiks ein.

Zwei Prozent mehr

Zum 1. September 2020 wurden zwei Prozent mehr Lohn in der Druckindustrie gezahlt. Eine Verschiebung um fünf Monate ist per freiwilliger Betriebsvereinbarung möglich, wenn nicht betriebsbedingt gekündigt wird. Darauf hatten sich ver.di und der Unternehmerverband bvdm in einem Corona-Sondertarifvertrag geeinigt. Der Manteltarifvertrag wurde um ein Jahr, das Lohnabkommen um fünf Monate verlängert.