Editorial

Guten Start ins neue Jahr – gern mit Visionen!

Neulich habe ich (beim Unternehmerverband der Druckindustrie) gelesen: »Wer keine Vision hat, hat kein Ziel. Und wer kein Ziel hat, kommt nirgends an.« Ich mag solche Sätze. Sie tun niemandem weh, kosten keine Hirnzellen und machen sich auch auf Weihnachtskarten sehr schön.

Ich bin absolut für Schlichtheit – aber bitte richtig! Man nehme sich nur mal die Tarifverträge der Druckindustrie und Papierverarbeitung zur Hand – was da alles Kompliziertes drinsteht! »Verantwort
liches Einrichten, Umrüsten und Überwachen als Drucker an Offsetrotationen.« Geht das nicht einfacher? Doch, sagen die Unternehmerverbände. Sie nennen das »Neugestaltung« (Papierverarbeitung) oder – weniger vornehm – »Entrümpelung« (Druckindustrie).

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Ich vermisse bei den Verbänden allerdings den Mut zu echten Visionen. Warum diese abstrakten, schachtelartig formulierten Tätigkeitsmerkmale? Weg damit! Stattdessen sollte man sich ein Beispiel an der Augsburger Allgemeinen nehmen und Kopfnoten wie in Zeugnissen einführen (siehe hier).

Für Lohnrahmentarifverträge genügen einige 
wenige: Fleiß, Pünktlichkeit, Sauberkeit, Betragen. Nicht zu vergessen die Richtbeispiele. Hat dem Chef
 die Aktentasche ins Büro getragen – 3 Punkte. 
Widerspricht den Führungskräften nicht – 5 Punkte. Arbeitet trotz Streik weiter – 10 Punkte. Das passt auf eine Seite, ist gut verständlich und sollte reichen, um die Höhe des Lohns zu definieren.

Mit Sekundärtugenden wie Fleiß, Treue, Gehorsam, Disziplin und Pflichtbewusstsein kennen sich die Deutschen aus.

Dann bin ich aufgewacht. Mir fiel zum Glück 
ein, dass der Druckunternehmerverband mit seiner Entrümpelei gescheitert ist. Die Redaktion wünscht euch einen guten Start ins nächste Jahr – gern mit Visionen!