Titel

Abbauen, 
einstellen, 
verkaufen

Wo Gewinne schrumpfen, vergeht dem Verleger 
die Lust am Printgeschäft

AdobeStock_25626861

Zeitungsverlage produzieren zurzeit vor allem Negativschlagzeilen. Sie legen Redaktionen zusammen, dünnen Abteilungen aus, streichen Stellen. Beschäftigte werden in Altersteilzeit oder in die Arbeitslosigkeit entlassen. Es sind immer die gleichen Maßnahmen, mit denen Zeitungsverlage sinkende Auflagen und Anzeigenrückgänge auszugleichen versuchen.

Interessenlos

Zum Beispiel Axel Springer: Nachdem der Finanzinvestor KKR größter Einzelaktionär geworden ist, hat die Geschäftsführung ihre Pläne öffentlich gemacht. 50 Millionen Euro sollen im Nachrichtengeschäft von Print und Online gekürzt werden. Branchenkenner Gert Hautsch geht davon aus, dass ein Fünftel der Stellen wegfällt. Ganze Zeitungen, wie Welt kompakt und Welt Hamburg, verschwinden. Gleichzeitig investiert der Verlag ins Digitalgeschäft. Dort werden jetzt schon nahezu drei Viertel des Umsatzes gemacht. Die Strategie des Konzerns sei seit Jahren die gleiche: Das Digitale stärken und das Printgeschäft nebenher laufen lassen – »so lange, wie sich damit Rendite erwirtschaften lässt«, sagt Zeitungsexperte Horst Röper. Das spüren auch die drei Springer-Druckereien in Ahrensburg, Kettwig und Spandau. Dort werden bis Ende des Jahres gerade noch 450 Menschen Arbeit haben. Von einst 3.500 in den 1990er-Jahren.

Lustlos

Zum Beispiel DuMont: Der Verlag will aus dem Zeitungsgeschäft aussteigen, doch keiner interessiert sich für das Paket aus Tageszeitungen, Druckereien und kränkelnder Boulevardpresse. Einzig der Berliner Verlag fand Käufer. Was das Unternehmen vorhat, sei nicht erkennbar, sagt Röper. Außer der Lustlosigkeit der DuMont-Erben am Zeitungsgeschäft und deren Herumwursteln im Digitalen.

Einfallslos

Zum Beispiel Südwestdeutsche Medienholding: Sie hat jetzt angekündigt, bis Ende nächsten Jahres Stellen abzubauen. Wie viele, ist unklar.

Wo Redaktionen kleiner werden und Zeitungen schrumpfen, gibt es auch weniger zu drucken. Und wo Gewinne schrumpfen, lässt auch die Lust der Verleger am Zeitungsgeschäft nach. Printwerbung brachte vor knapp 20 Jahren noch 6,5 Milliarden Euro ein, jetzt nur noch 2,2 Milliarden. Medienforscher Röper: »Seit Jahren fällt Zeitungsverlegern nichts ein, um den Rückgang bei Anzeigen und Auflagen zu stoppen.«

Warum die Südwestdeutsche Medienholding 
»unbekannte Krake« genannt wird, steht hier. Mehr zu den Springer-Druckereien 
ist hier zu lesen.