Leser-Mail

Schockiert!

Der Artikel »Alles öko oder was« in der DRUCK+PAPIER-Ausgabe 4/2019 befasste sich mit Wellpappekisten, die nicht so ökologisch sind, wie Hersteller und Händler behaupten. Das hat Frank Herold, Betriebsratsvorsitzender bei DS Smith in Mannheim, so aufgebracht, dass er eine Lesermail schrieb:

Ich muss dazu sagen, dass ich über diesen Bericht schockiert bin! Die Gewerkschaft ver.di vertritt die Interessen der Mitglieder/innen bzw. sollte sie eigentlich! In diesem Bericht werden Kartonage/Wellpappe sowie die Herstellung und Rückführung in das Ökosystem sehr stark kritisiert! Dieser Bericht fördert nicht gerade die Marktwirtschaft der Wellpappenindustrie, sondern gefährdet meiner Ansicht nach Arbeitsplätze. 
Aufgrund der aktuellen schwachen Auftragslage auf dem Markt werden wir von einer bezahlten 37,5-Stunden-Woche 
auf die 35-Stunden-Woche zurückgehen, was nach dem 
Manteltarifvertrag auch völlig okay ist. Aber was wir jetzt auf 
keinen Fall benötigen, sind negative Schlagzeilen über die 
Wellpappe. Dieser Bericht ist ein Grund für mich, aus ver.di 
auszutreten! Diese negative Berichterstattung sichert mit Sicherheit keine Arbeitsplätze, sondern bewirkt das Gegenteil. Das Gleiche wäre, wenn ver.di einen negativen Bericht über die 
Tapetenindustrie schreiben würde unter dem Motto Tapeten sind schlecht, Rauputz ist viel besser!

Antwort der Redaktion

Im Artikel »Alles öko oder was« wurde die Wellpappe sogar 
gelobt: »Wellpappkartons sind ein tolles Produkt: verhältnis
mäßig leicht, stabil, in vielen Formen und Größen produzierbar, gut zu lagern und wiederzuverwerten.« Allerdings ist die Ökobilanz der Wellpappkiste nicht so positiv wie behauptet. Die 
Aufgabe von Journalist*innen ist es, kritisch über das zu berichten, was andere tun oder behaupten. Anders als Pressesprecher oder Verbandsvertreter. Es wäre merkwürdig, wenn wir uns zwar kritisch zu den Arbeitsbedingungen in der Branche äußerten, nicht aber gegenüber Produkten und Dienstleistungen. Gerade weil uns die Arbeitsplätze wichtig sind, schauen wir genau hin. Denn wie Betriebsräte drängen auch Gewerkschaften darauf, dass Unternehmen gute Produkte entwickeln, die sozialen und ökologischen Standards entsprechen. Arbeitsplätze werden nicht durch Artikel vernichtet, sondern zum Beispiel durch Managementfehler – oder im Zweifel durch schlechte Produkte. 
Die Redaktion