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d+p 2019-2 Titel Wer kämpft

»Wer kämpft wie ihr, 
 kann nicht verlieren!«

Öffentliche Streikversammlung in München | Mit Belegschaften aus Bayern und Baden-Württemberg | Klare Ansage an Unternehmer

Sie machten noch einmal Dampf für die nächsten Verhandlungen: Rund 600 Streikende sind am 
16. April auf dem Marienplatz in München zu einer öffentlichen Streikversammlung zusammengekommen. Sie protestierten gegen einen Unternehmer
verband, der ihnen den Manteltarifvertrag nimmt und Lohnerhöhungen verweigert.

Die Stimmung war ausgelassen. Denn Streiks und genervte Reaktionen der Druckereibesitzer zeigen Wirkung. Der Bundesverband Druck und Medien hat bereits Rückzieher gemacht. Er wolle nur noch ein paar Verschlechterungen, ver.di könne sich sogar welche aussuchen. »Wir wollen aber keinen Tarif
vertrag, der ein bisschen schlechter ist«, rief ver.di-
Verhandlungsführer Frank Werneke durchs Mikrofon. »Wir wollen 100 Prozent MTV. Ohne Abstriche.« 
Eine klare Ansage. Pfiffe, Trommelwirbel, Applaus.

Werneke erinnerte an 2005, als ver.di Verschlechterungen am Manteltarifvertrag zugestimmt hatte. Im Vertrauen auf das Versprechen der Unternehmer, mit einem schlechteren Tarifvertrag würden mehr Unternehmen den Tarifvertrag anwenden. »Das Gegenteil ist passiert. Sie haben uns belogen.« Noch einmal verspricht er: 100 Prozent Manteltarifvertrag. Am Schluss seiner Rede mit geballter Faust.

Auf dem Platz zwischen Mariensäule und Neuem Rathaus versammelten sich nicht nur die Streikenden aus den Druckereien. Auch Verlagsangestellte, Redakteure und Redakteurinnen solidarisierten sich. Ebenso wie Belegschaften aus tariflosen Betrieben. »Wer kurtz uns hält, wird lang bestreikt«, lautete die Botschaft der Kösel-Druck-Beschäftigten an Geschäftsführer Kurtz. Am gleichen Tag gingen in Essen rund 250 Menschen auf die Straße.

Auf der öffentlichen Versammlung beschrieben Beschäftigte die Folgen der Verschlechterungen. Zuschläge würden gekürzt, die Antrittsgebühr fiele weg, es müsste unbezahlt länger gearbeitet werden, nur noch der Sonntag wäre frei, Facharbeiterbindung und Maschinenbesetzung verschwänden.

»Länger und härter arbeiten für weniger Geld. Das hätten sie gerne«, sagte Ludwig Hankofer aus der Streikleitung in Bayern. Er rief ihnen zu: »Wer so kämpft wie ihr, kann nicht verlieren!«

Nach Redaktionsschluss gab es eine weitere 
Verhandlungsrunde.