Titelthema

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Wir laufen uns warm

Beschäftigte in der Druckindustrie und in der Papierverarbeitung fordern mehr Lohn und sind auf harte Runden vorbereitet

Die Friedenspflicht in der Druckindustrie war gerade zu Ende gegangen, da gab es den ersten befristeten Warnstreik bei der Frankfurter Societäts-Druckerei. Das sei als Signal gedacht, sagt Betriebsratsvorsitzender Nektarios Androulidakis. Für mehr Lohn, 
klar, aber auch als Warnung an die neuen Eigen
tümer – mehrheitlich die Ippen-Gruppe –, mit der 
Druckerei nicht die Tarifbindung zu verlassen.

Unberechenbar und überraschend – so will 
ver.di in dieser Lohn-Tarifrunde die Protestaktionen und Streiks angehen. Die Belegschaft der Zeitungsdruckerei der Süddeutschen Zeitung ist bereit. Aber mal ehrlich: »Wir laufen uns mit der Lohnrunde warm für den Mantel«, sagt Betriebsratsvorsitzender Alexander Röck. Das ist in anderen Betrieben ähnlich.

»Ich werde dauernd gefragt, wann endlich gestreikt wird«, sagt Betriebsratsvorsitzender Franz Lermer von Pustet-Druck in Regensburg. Bei den Verhandlungen um den Lohn müssten die Belegschaften ihre Stärke zeigen, um dann mit der 
nötigen Kraft den Manteltarifvertrag zu verteidigen. Über den Manteltarifvertrag, den die Druck-Arbeitgeber gekündigt haben, wird am 22. November verhandelt.

Jetzt geht es erst einmal darum, mehr Lohn zu bekommen. ver.di fordert fünf Prozent. »Wir hinken den anderen Branchen hinterher«, stellt Michael Bräu, Betriebsratsvorsitzender von Bosch-Druck in Ergolding bei Landshut, fest. Die Kollegen wüssten genau, wie viel woanders verdient wird; BMW ist in der Nachbarschaft. »Tja und die höheren Preise müssen bezahlt werden. Egal, ob ich in der Metallindustrie arbeite oder in der Druckindustrie.«

In der Papierverarbeitung waren die Arbeitgeber in der ersten Verhandlungsrunde am 10. Oktober nicht bereit, ein Angebot zu machen. Noch gilt die Friedenspflicht, doch ab 1. November ist es dann auch in der Papierverarbeitung möglich, für die Lohnforderung von sechs Prozent zu streiken.

 

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