Arbeits- und Gesundheitsschutz

Salatöl zum Schrubben

Wie die Umkehr zur weniger gesundheitsschädlichen Produktion in der Druckindustrie gelungen ist

Salatöl zum Reinigen von Druckmaschinen? Die spinnen doch, die Dänen! ver.di-Kollege Holger Malterer hat es schon oft erzählt: Bei einem Treffen in Kopenhagen 1990 hatte ein dänischer Berufsschullehrer davon berichtet, dass Druckmaschinen mit Pflanzenöl statt gesundheitsschädlichen Lösemitteln gereinigt werden könnten. 
Das könne er auch vorführen. Und weil 
Salatöl und Wasser nicht explodieren, durfte der IG-Druck-und-Papier-Vertreter Malterer während des Tests sogar rauchen.

Giftig und gefährlich

Vor genau 30 Jahren klärte die druck und papier über die Gesundheitsgefahren von Lösemitteln auf. Auch die drastischen Illustrationen – tanzende Skelette und ein Totenkopf auf dem Titelblatt – machten auf das Problem aufmerksam: Alkohol aus den Feuchtwerken, Chlorkohlenwasserstoffe aus Gummituchregenerierern, Testbenzin von Farbwalzen, Glykoläther aus Lösemitteln der UV-Maschinen und aromatische Kohlenwasserstoffe zur Reinigung bildeten ein übles Gemisch. Wie krank das machen kann, darüber ließen Hersteller und Chefs die Betroffenen gern im Unklaren.

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Die druck und papier hat in der Ausgabe 5/1988 auf das Problem aufmerksam gemacht.

Erfolgsrezept der Initiative

Die einen recherchierten und schrieben Texte über Lösemittel in der Druckindustrie, andere studierten die dänischen Reinigungsanleitungen und testeten aus. Es funktionierte tatsächlich. »Dann haben wir die Berufsgenossenschaft aufgefordert, sich das anzusehen«, erinnert sich Holger Malterer. Dort fand die Gewerkschaft auch Verbündete. Doch vergingen noch fünf Jahre bis zur gemeinsamen Brancheninitiative Druckindustrie. Ihr Erfolgsrezept: 
Alle wurden eingebunden – Gewerkschaft, Berufsgenossenschaft, Druckmaschinen
hersteller, Lösemittelproduzenten, Hersteller von Gummituchwaschanlagen, Arbeitgeberverbände und ihre Forschungsein
richtungen, Berufsschulen. Gemeinsam entwickelte man Verfahren, die die Fachwelt akzeptierte, und vereinbarte Maßnahmen, die die Betriebe umsetzen konnten.

Das Ziel waren Druckereien, die weniger Schadstoffe abgeben, und neue 
Reinigungstechnologien. Gesundheitsgefährdende, leicht flüchtige Lösungsmittel 
sollten durch ungefährlichere ersetzt werden. Das gelang schrittweise. 1995 gehörten noch über 60 Prozent der Waschmittel den höchsten Gefahrenklassen an, 2011 nur noch etwa 13 Prozent. Nervenschädigende oder krebserregende Inhaltsstoffe wurden ausgemustert; für Druckmaschinen wurde das Zertifikat »Emission geprüft« eingeführt.

Noch bleibt viel zu tun

Auf Pflanzenöle als alternative Reiniger setzen bis heute zwar nur wenige Druckereien. Zu viel Schrubberei, heißt es. »Manche Maschinenhersteller fürchten auch, dass automatische Waschanlagen beschädigt und Druckplatten angegriffen werden könnten«, sagt Heinz-Peter Haase, jetzt für ver.di im Vorstand der Berufsgenossenschaft. Bei 
den Reinigern höherer Gefahrenklasse, 
die es heute noch gibt – Gummituchregenerierer, Platten- und Feuchtwalzenreiniger –, gehe es darum, den Flammpunkt weiter anzuheben. Je höher der liegt, desto weniger gesundheitsgefährdende Dämpfe werden bei Zimmertemperatur freigesetzt. Wer nachhaltig drucken will, arbeitet mit 65-Grad-Mitteln und fordert so auch die Hersteller heraus. Malterer: »Gesundheitsschutz für unsere Kolleginnen und Kollegen muss eine ständige Aufgabe der Gewerkschaft bleiben.«