Mein Tag im Job

Eugen Schlick,

26, ist Tapetendrucker 
in der Marburger Tapetenfabrik in Kirchhain.

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»An meinem ersten Ausbildungstag dachte ich: ›So große Maschinen, so viele Tapetenmuster – das schaff’ ich nie!‹ Mittlerweile bin ich acht Jahre dabei und habe einen festen Arbeitsvertrag als Drucker. Mir gefällt es, jeden Tag fertige Tapeten in den Händen zu halten. Wir haben Schichtbetrieb. Das macht mir normalerweise nichts aus. Nur die Spätschicht nervt mich, weil ich früh schlafen gehen muss, um meinen Sport noch unterzubringen. Ich arbeite im Tiefdruckbereich. Allein die Trockner haben über 200 Grad – da kann es sehr heiß werden. Die Maschine kann Doppelbreite drucken, also Papierbahnen von 1,06 Meter Breite, aber auch 70-Zentimeter-Bahnen. Die Walzen laufen durch die Farbe, das jeweilige Tapetenmuster wird auf die Papier- oder Vliesbahn gedruckt und die überschüssige Farbe wird abgetragen.

Am liebsten bin ich als Maschinenführer eingesetzt, auch wenn ich 15 Minuten früher da sein muss für die Übergabe. Aber ich mag die Verantwortung. Wenn noch ein Muster von der Schicht davor läuft, mache ich eine Qualitätskontrolle und tapeziere probeweise. Parallel bereite ich die nächste Walze vor und mache dann einen Testlauf. Pro Schicht stellen wir meist zwei bis drei 
verschiedene Muster her. Ich bin dafür verantwortlich, dass der 
Arbeitsplatz sauber ist und meine drei Leute korrekt mit Farbe, Papier und Verpackung arbeiten. Kurz nach meiner Ausbildung 
war es komisch, Kollegen, die schon 30 Jahre dabei sind, Anweisungen zu geben. Mein Ziel ist es, noch möglichst viele andere 
Maschinen kennenzulernen. Vor Kurzem haben wir an einer Maschine eine bessere Registrierung bekommen. Mit der Digitalisierung steigen noch mal die Anforderungen an unseren Beruf Medientechnologe Druck. Bei ver.di bin ich eingetreten, als es im Betrieb nicht so gut lief und es Streiks gab. Inzwischen hat sich 
die Lage entspannt und wir sollen 2019 wieder Azubis bekommen. Wenn sie an meiner Maschine sind, möchte ich sie auf jeden 
Fall zu mir rufen und ihre Fragen beantworten. Das hab’ ich mir 
als Azubi immer gewünscht.«