Aus den Betrieben

Druckerei in Leipzig wird geschlossen

Springer zieht Bild ab | Rund 260 Beschäftigte betroffen

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Foto: Dirk Goldhahn

»Die Belegschaft ist enttäuscht und wütend«, sagt der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Jörg Tischler. Der Betriebsrat nicht minder. »Aufspalten – Auspressen – Entsorgen« lautet die Überschrift seiner Stellungnahme. Von der Schließung der zur Madsack Mediengruppe gehörenden Leipziger Druckerei sind 60 Beschäftigte im Druckbereich und rund 200 in der ausgegliederten Weiterverarbeitung betroffen. Die Schließung, die zum Jahresende 2019 erfolgen soll, begründet die Geschäftsführung mit dem Wegfall des Druckauftrags von Bild und Bild am Sonntag. Damit verliere man die Hälfte der derzeit täglichen Druckauflage. Der Weiterbetrieb der 1991 eröffneten Druckerei sei wirtschaftlich nicht darstellbar.

Dem widerspricht der Betriebsrat. Auch nach dem Wegfall der Druckaufträge sei 
es möglich, die Druckerei und die Hälfte 
der Arbeitsplätze zu erhalten. In Rostock 
und Potsdam – zwei weiteren Madsack-
Druckereien – werde auch rentabel produziert.

Die Bild-Zeitungen will Springer in der konzerneigenen Druckerei in Berlin-Spandau drucken lassen. Die Leipziger Volkszeitung soll künftig bei einer DuMont-Tochtergesellschaft in Halle und die Dresdner Neuesten Nachrichten bei der DDV Mediengruppe in Dresden produziert werden.

ver.di fordert Verhandlungen über einen Sozialtarifvertrag. Den Beschäftigten sollten Arbeitsplätze in der Madsack Mediengruppe angeboten und Entlassungen vermieden 
werden. Außerdem fordert ver.di Regelungen zur Altersteilzeit, Abfindungen, Übernahme von Umzugs- und Fahrtkosten und eine Transfergesellschaft.

Die Madsack Mediengruppe, die mit einem jährlichen Umsatz von 650 Millionen Euro zu den fünf größten Zeitungsverlagen in Deutschland gehört, hat bereits Druckereien in Göttingen und Hannover geschlossen. Größter Einzelbesitzer ist mit 23 Prozent das Medienbeteiligungsunternehmen der SPD; danach folgt die Enkelin des Gründers, Sylvia Madsack, mit 21 Prozent.