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»Man bekommt einen Weitblick«

Fortbildung zum Druck- und Medientechniker | Vier Jahre in Teilzeit | 
Hobbys bleiben auf der Strecke |

Nach ein paar Jahren an der Druckmaschine hat Carlos Jex die alten Schulbücher aus seiner Ausbildungszeit wieder hervorgekramt. Und Kolleginnen und Kollegen in anderen Abteilungen der Offsetdruckerei über die Schulter geguckt. Aus Neugier. »Ich wollte mehr über die Abläufe erfahren«, sagt der 26-Jährige. Nach seiner 
Ausbildung zum Offsetdrucker in einem mittelständischen Unternehmen im 
Westerwald druckte er Werbekataloge und Briefbogen für Apotheken. Sein Beruf macht ihm großen Spaß.

Doch er wollte auch wissen, was davor und danach passiert: Worauf kommt es in der Druckvorstufe an? Welche Möglichkeiten gibt es bei der Weiterverarbeitung? Das Wissen eignete sich Carlos Jex nebenbei an. Bis ihn sein Abteilungsleiter ermutigte, eine Weiterbildung zum Druck- und Medientechniker zu machen. Berufsbegleitend. »Die Idee war top.« Mit diesem Abschluss kann er fast überall eingesetzt werden: von der Planung über die Durchführung bis zur Kontrolle von Druckaufträgen. Zum Beispiel als Abteilungsleiter. »Man bekommt einen Weitblick, wie eine Druckerei zu laufen hat.«

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Carlos Jex macht im Frühjahr seine Abschlussprüfung zum Druck- und Medientechniker.

Fast kostenlos

Für Carlos Jex bot sich die Gutenbergschule in Frankfurt am Main an, etwa 100 Kilometer von Höhr-Grenzhausen in Rheinland-Pfalz entfernt. Die Weiterbildung an der staatlichen Schule kostet kein Geld. Pro Jahr fallen nur knapp 80 Euro für Kopien und Skripte an. Carlos Jex arbeitet weiter Vollzeit – und fährt dreimal pro Woche mit dem Auto zur Schule in Hessen. Eineinviertel Stunden hin, eineinviertel Stunden zurück. Vier Jahre lang. »Das ist anstrengend, kann man nicht anders sagen.« Gerade am Anfang sei es oft hart gewesen, sich nach acht bis zehn Stunden Arbeit noch aufzuraffen. Dienstag und Donnerstag dauert die Schule von 17.30 bis 20.45 Uhr, Samstag von 8 bis 13 Uhr. Dennoch macht er die Weiterbildung gern.

Gut findet er, dass er sein Wissen direkt einsetzen konnte. Als die Firma, in der er arbeitete, ein neues Workflowsystem 
einführte, wandten sich die Kollegen 
bei Fragen an ihn. Und er unterstützte seinen Abteilungsleiter bei der Produktionsplanung: In welcher Reihenfolge werden die Aufträge bearbeitet, damit sie pünktlich fertig sind? Oder was tun, wenn ein Kunde sein Produkt plötzlich früher benötigt? 
Kein Problem. Durch die Schule war er 
gut vorbereitet.

Abschlussarbeit im Team

Auch Betriebswirtschaftslehre und Personalführung stehen auf dem Stundenplan. Einige Aufgaben fallen dem Drucker nicht ganz so leicht, Visitenkarten gestalten zum Beispiel. Zum Glück sitzt er in der Klasse neben Mediengestaltern, die helfen. Jeder bringt seine Stärken ein.

Für die Abschlussarbeit fertigen sie gemeinsam eine Broschüre für einen Hilfsverein für Kenia an. Das Team erarbeitet ein Konzept, tüftelt am Design. In der Firma druckte Carlos Jex das Heft auf verschiedenen Papiersorten mit grober Faserung. Die Seiten banden sie mit einer Kordel als Dreilochfadenheftung zusammen. Kein Hochglanz, keine Veredelung. »Die Broschüre sollte nicht typisch deutsch aussehen.«

Aufstieg schon gelungen

Im Frühjahr sind die Abschlussprüfungen. Schon jetzt steht fest: Die Weiterbildung zum Techniker zahlt sich aus. Viele Mitschüler/innen seien bereits während des Kurses zum Teamleiter oder Betriebsleiter aufgestiegen. Auch Carlos Jex wechselte als Projektleiter in eine Rollenoffsetdruckerei. Dort verdient er mehr, hat eine größere Verantwortung und – ganz wichtig – »ange-
nehmere Arbeitszeiten« sowie keinen Schichtdienst mehr.

»Ich kann die Weiterbildung jedem empfehlen, auch wenn viel Zeit dafür draufgeht.« Hobbys und das Privatleben bleiben in den vier Jahren etwas auf der Strecke. Zum Glück hat seine Freundin dafür Verständnis. Sie macht auch gerade eine Weiterbildung – berufsbegleitend.

Techniker/in der Fachrichtung 
Druck- und Medientechnik

Diese Fortbildung bildet Fachleute in der mittleren Führungsetage für den gesamten Produktionsbereich in Druckereien aus. Der Kurs vermittelt breites Wissen: Technikerinnen und Techniker sind etwa mit der Planung und Überwachung bei der Produktion von Druckerzeugnissen betraut, aber auch mit Projektplanung und Kostenkalkulation.

Voraussetzung ist eine abgeschlossene Ausbildung in der Druckbranche sowie mindestens ein Jahr Berufserfahrung. Die Fortbildung in Vollzeit dauert zwei Jahre, berufsbegleitend in der Regel vier Jahre. Wer die Abschlussprüfung besteht, erhält ein staatlich anerkanntes Technikerdiplom.

Aktuell gibt es Fachschulen in elf Städten. An staatlichen Schulen ist die Fortbildung in der Regel kostenlos. Es fallen lediglich Gebühren, etwa für Prüfungen und Lernmaterial, an. Die Kosten sind von Schule zu Schule unterschiedlich. Es kann ein sogenanntes Aufstiegs-BAföG beantragt werden. Einzelne Fachschulen setzen Schwerpunkte im technischen oder kaufmännischen Bereich.

www.aufstiegs-bafoeg.de


www.zfamedien.de/weiterbildung/techniker/