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Nichts als heiße Luft

Ein Dauerthema im Sommer: zu hohe Temperaturen in den Werken der Papierverarbeitung | Wenige effektive Gegenmaßnahmen

Einen ganzen Stapel Displays. Greifen, heben, tragen, ablegen. Große, unhandliche Displays. Schwere Packen. Die Frau wischt sich über die Stirn. Sie drückt ihr Kreuz durch und hebt den nächsten Stapel.

In der Halle ist es heiß, stickig, staubig. Es ist Juli und schon wieder eine Hitzewelle. Auf der Brücke der Wellpappanlage hat einer 40 Grad gemessen. Wer dort umrüstet, dem läuft der Schweiß in Strömen. Wir haben uns in zehn Werken der Papierverarbeitung umgehört: Was wird unternommen, um die Arbeitsbelastungen zu senken?

Fast überall drehen sich Ventilatoren, hand­liche Tischventilatoren, die auf dem Boden und am Leitstand stehen oder provisorisch an der Anlage befestigt sind. Aber auch große Ventilatoren mit mehr als einem Meter Durchmesser hängen von den Decken. Sogenannte Stalllüfter, wie sie in Kuhställen verwendet werden, damit die Milchleistung der Tiere nicht sinkt. Allerdings verwirbeln Ventilatoren nur die warme Luft. Heiß ist es noch immer. Früher wurden die Hallentore geöffnet, um Durchzug zu schaffen. Seitdem die Werke hygienezertifiziert sind, ist das nicht mehr erlaubt. Von außen könnten Insekten und Schadstoffe eindringen.

Dachluken sind geöffnet, Fenster tagsüber geschlossen, sogenannte Piratenhosen lassen Luft an die Waden, und überall gibt es Wasserspender, an denen sich die Beschäftigten kostenlos ihre Flaschen auffüllen dürfen. Das war’s auch schon. Ventilatoren und Wasser, viel mehr wird oft nicht getan, um die Hitze zu reduzieren. Das kostet nur wenig.

Mit Sonnenschirmen und Eiscreme

Im Konzern von Smurfit Kappa und speziell im Werk Neuburg an der Donau wurde schon viel ausprobiert. Doch »richtig gebracht hat das nichts«, sagt der Betriebsratsvorsitzende und Gesamtbetriebsratsvorsitzende Karl Mayer. »Wir warten auf Delitzsch.« Dort hat das irische Verpackungsunternehmen mit einer Lüftungsanlage experimentiert. Mit Erfolg. Die Temperaturen konnten um mehrere Grad gesenkt werden.

Manchmal taugen die Maßnahmen allerdings nur zur Augenwischerei. Wenn etwa Jalousien innen statt außen an Fensterfronten angebracht sind. Oder Sonnenschirme im Werk aufgespannt werden, weil die Sonne durch die Scheiben knallt. Das taugt kaum mehr, als wenn der Chef ein Eis ausgibt.

Warum viele Beschäftigte schon in Rente sein werden, bis auch in ihrem Werk eine Lüftungsanlage installiert wird, und was Experten raten, ist im Artikel Heiß, stickig staubig zu lesen.