Arbeit

»Ich würde es wieder machen«

Weiterbildung zum Industriemeister Printmedien | Vorbereitung auf Führungsaufgaben | Eine harte Zeit |
Wieder auf der Schulbank | In Voll- und Teilzeit möglich

Wenn die Schule aus war, fühlte es sich ein wenig an wie früher in seiner Jugend: »Wir sind mit der Klasse abends weggegangen«, berichtet Jürgen Remler. »Es gab eine große Kameradschaft.« Doch unterm Strich war für den 45-Jährigen die einjährige Weiterbildung zum Industriemeister Printmedien eine harte Zeit. Nach knapp 30 Jahren als Drucker im Betrieb, musste er wieder acht Stunden am Tag still sitzen und zuhören. »Und alles in den Kopf hinein bekommen.« Alleine lernen fiel ihm schwer. Viel besser ging es zusammen mit den Mitschülern.

Mehr Gehalt

Jetzt fehlen nur noch zwei Prüfungen. Dann kehrt Jürgen Remler zurück in den Betrieb – als Industriemeister. Noch ist nicht ganz klar, wie seine neue Stelle aussieht. Doch ziemlich sicher ist: Mit mehr Kompetenzen. Und mehr Gehalt. »Mit dem, was ich in der Weiterbildung gelernt habe, kann ich eigentlich alles machen«, sagt der Drucker. Er geht davon aus, dass er als Schichtmeister eingesetzt wird.

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Demnächst ist Jürgen Remler von Huhtamaki Industriemeister Printmedien.

Seit er 16 Jahre alt ist, arbeitet Jürgen Remler bei dem finnischen Verpackungskonzern Huhtamaki in Ronsburg im Allgäu, zunächst als Azubi, später als Maschinenführer. In den vergangenen Jahren wurde er immer häufiger im Büro eingesetzt. Als Schichtleiter war er für rund 50 Kollegen verantwortlich, überwachte die Maschinen und grübelte über Dienstpläne. Als ihn sein Chef fragte, ob er eine Weiterbildung zum Industriemeister machen wolle, lehnte Jürgen Remler zunächst rigoros ab. »Das war mir zu groß.« Er fürchtete, dass sich durch den Karrieresprung das Verhältnis zu seinen Kollegen verändern könnte. Aber irgendwann sah er ein, dass er sich so eine Chance nicht entgehen lassen kann – und besprach seine Pläne »auf kameradschaftlicher Ebene« mit seinen Kollegen.

Die Weiterbildung zum Industriemeister Printmedien ist in Vollzeit und in Teilzeit möglich. Jürgen Remler wurde ein Jahr von der Arbeit freigestellt und ging ausschließlich zur Berufsschule. Dafür nahm er sich eine kleine Wohnung; die Pendelei wäre ihm jeden Tag zu viel gewesen. »Die Weiterbildung wurde mir komplett vom Betrieb bezahlt, inklusive Wohnung.« Von seinem Gehalt bekam er weiterhin 80 Prozent. Im Gegenzug verpflichtete sich der Drucker dazu, danach zwei Jahre als Meister in dem Betrieb zu bleiben.

Bereit für den Führungsjob

Am schwersten fiel Jürgen Remler die Trennung von seiner Familie. Frau und Sohn sah er nur am Wochenende. Dafür habe er eine Menge gelernt. »Ich habe einen großen Einblick in die Arbeitsabläufe von Druckereien bekommen.« In der Weiterbildung werden die Teilnehmer/innen darauf vorbereitet, Führungsaufgaben zu übernehmen und einen eigenen Betrieb zu leiten. Jürgen Remler lernte die gesamten Abläufe kennen, die ihm vorher »zum Teil völlig fremd« waren: vom neuen Auftrag über die Bearbeitung der Grafik bis zum Versand des fertigen Produkts. Bis dato habe er nur die bereits vorbearbeiteten Aufträge in der Druckerei umgesetzt, etwa die Verpackungen von Suppentüten oder Katzenfutter bedruckt. Vor allem im Tiefdruck, das hatte er in seiner Ausbildung gelernt. In der Schule spielte Offset eine große Rolle. Die Klasse unternahm auch mehrere Ausflüge in Druckereien mit verschiedenen Druckverfahren aus unterschiedlichen Geschäftsbereichen.

Immer sachlich bleiben

Ein Schwerpunkt der Weiterbildung war Personalführung. Vieles habe er vorher schon instinktiv richtig gemacht, sagt Jürgen Remler. Doch anderes eben nicht. Beispiel: »Wenn mir etwas überhaupt nicht passt, werde ich manchmal cholerisch.« In der Schule habe er gelernt, auf einer sachlichen Ebene zu bleiben. Auch wenn ihm das wahrscheinlich nicht immer gelingen werde, so habe er doch wichtige Tipps zur Selbstkontrolle bekommen.

Die Weiterbildung hat er als sehr anspruchsvoll empfunden. Doch für ihn steht fest: »Ich würde es wieder machen.« Trotzdem kann er es kaum erwarten, endlich wieder bei seiner Familie zu sein – und bei seinen Kollegen im Betrieb. »Ich freue mich darauf, wenn das Brimborium vorbei ist.«

Ausbildungsberufe

Industriemeister Printmedien
Diese Weiterbildung eignet sich vor allem für Facharbeiter/innen aus der Druckindustrie – und ermöglicht ihnen einen Karrieresprung. In dem Kurs lernen sie, selbst eine Abteilung oder einen Betrieb zu leiten. Auf dem Stundenplan stehen etwa Kostenkalkulation, Personalführung und Projektmanagement. Bei den technischen Kompetenzen liegt der Schwerpunkt auf Druck und Druckweiterverarbeitung. Voraussetzung ist eine abgeschlossene Ausbildung. Wer in einem Medienberuf ausgebildet wurde, muss keine Berufserfahrung vorweisen.

Die Weiterbildung kann in zwei Jahren berufsbegleitend abgeschlossen werden oder in einem Jahr in Vollzeit, möglich ist auch ein Onlinekurs. Angeboten wird der Lehrgang von Verbänden, Bildungszentren, Handwerkskammern sowie der IHK und Fachhochschulen. Die Kosten variieren, im Schnitt kostet der Kurs etwa 5.000 Euro. Für die Fortbildung kann – unabhängig vom Alter – ein sogenanntes Aufstiegs-BAföG (früher: Meister-BAföG) beantragt werden.

Mehr Infos: www.zfamedien.de/
weiterbildung/industriemeister/