Hintergrund

Wenn Kaufleute 
das Sagen haben

Interview mit Horst Röper

DRUCK+PAPIER: Warum hat die Funke Mediengruppe 2014 die Tageszeitungen und Zeitschriften von Springer gekauft?

Röper: Die beiden regionalen Tageszeitungen Berliner Morgenpost und Hamburger Abendblatt wollte Funke gar nicht haben. Das hat ihnen Springer diktiert. Ihr Interesse galt den Zeitschriftentiteln von Springer; an die wollte Funke ran. Auf dem Zeitschriftenmarkt ist Funke damit ein wichtiger Player. Außerdem ist der Kauf von Titeln eine Möglichkeit, als Unternehmen zu wachsen.

Das hat sich Funke 920 Millionen Euro kosten lassen …

… der gesamte Jahresumsatz von 2013. Einen Teil hat Springer der Mediengruppe gestundet. Das ist eine hohe Summe für eine Expansion. Für die Refinanzierung wurden die Kosten gekürzt, gerade beim Personal – bis hin zu Entlassungen.

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Horst Röper 
vom Medienforschungsinstitut Formatt in Dortmund beobachtet seit Jahren die Konzentrationen auf dem Zeitungsmarkt.

Die Gründer der WAZ waren beide Journalisten. Wie ist das heute?

Der Konzern wird kaufmännisch geführt, publizistische Denke hat keinen Einfluss.

Welche Strategie verfolgt die Mediengruppe?

Schwer zu sagen. Der Verlag ist nicht gerade innovativ, er vernachlässigt beispielsweise das digitale Geschäft. Es ist ein Vor und Zurück, je nachdem welcher Geschäftsführer das Sagen hat. Unter Bodo Hombach, ehemals Kanzleramtsminister und später Geschäftsführer der WAZ, kaufte sich der Verlag in Printprodukte osteuropäischer Staaten ein; das wird jetzt wieder zurückgefahren. Mal wurden Lokalredaktionen ausgebaut, mal abgebaut.

Wie könnte es weitergehen?

Seit einiger Zeit geht der Trend zur Zentralisierung: Eine einzige Sportredaktion beliefert alle Titel, eine einzige Zentralredaktion beliefert alle Print- und Digitaltitel der Gruppe mit überregionalen Themen. Das kostet publizistische Vielfalt und Arbeitsplätze.