Arbeit

»Gut, dass es uns gibt«

Azubis profitieren davon, wenn es im Betrieb eine Jugend- und 
Auszubildendenvertretung (JAV) gibt. Im Herbst wird gewählt.

Wer als Azubi ein Praktikum im Ausland macht, erhält vom Unternehmen finanzielle Unterstützung. Das ist nur ein Beispiel. Die Jugend- und Auszubildendenvertretung (JAV) hat gemeinsam mit dem Betriebsrat in der Märkischen Verlags- und Druckgesellschaft in Potsdam einiges durchgesetzt. Doch das ist schon eine Weile her. Im Moment gibt es dort keine JAV – wie in vielen anderen Betrieben auch. Der Grund: »Wir hatten einfach zu wenige Azubis«, erklärt die Betriebsratsvorsitzende Karin Wagner. Denn im Betrieb müssen mindestens fünf Auszubildende beschäftigt sein, damit sie eine JAV wählen können. In der Druckindustrie, aber auch in der Papierverarbeitung und manchen Verlagen ist das oft nicht der Fall. Bei der Märkischen Allgemeinen steigt die Zahl der Azubis mit dem neuen Ausbildungsjahr wieder auf insgesamt sieben. »Deshalb können wir jetzt einen Neuanlauf starten«, berichtet Wagner.

 

Für eine gute Ausbildung

Von Anfang Oktober bis Ende November werden bundesweit neue Azubi-Vertretungen gewählt. »Ich hoffe sehr, dass auch bei uns junge Kolleginnen und Kollegen kandidieren, denn eine JAV ist absolut sinnvoll – für die Azubis, aber auch für den Betrieb insgesamt«, betont Wagner.

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So setze sich die Jugendvertretung gemeinsam mit dem Betriebsrat für eine »zukunftsorientierte Ausbildung« ein. Angesichts der vielen Umbrüche sei das gerade in der Druckbranche und im Verlagswesen wichtig, so die Gewerkschafterin. »Wenn die Leute während der Ausbildung nur Rechnungen abheften, haben sie spätestens bei der Abschlussprüfung Probleme.«

Auch der Betriebsrat habe etwas davon, sich für die Belange der Auszubildenden und die Wahl einer JAV einzusetzen. »Das ist für beide Seiten fruchtbar«, sagt Wagner. Nicht zuletzt hätten viele der heutigen Betriebsräte einst als JAV-Mitglieder gelernt, ihre Interessen zu vertreten. »Die jungen Leute lernen, dass man nicht alles hinnehmen muss.«

 

»Können einiges bewegen«

So wie Sarah K., die seit zwei Jahren in der JAV der Verlagsgruppe Rhein-Main (VRM) aktiv ist. »Ich finde es generell wichtig, sich für sich und für andere einzusetzen«, erklärt die 22-Jährige ihr Engagement. »Ich löse gerne Probleme.« Schon in der Schule war sie Klassensprecherin. Wie viele Rechte Azubis und die JAV haben, hat sie am Anfang überrascht. »Wir können schon einiges bewegen; das habe ich bei zwei JAV-Seminaren gelernt, auf denen ich war.« Für die Teilnahme an den Schulungen werden die JAV-Mitglieder freigestellt, finanziert werden sie vom Unternehmen.

Richtig große Probleme hätten die rund 30 Auszubildenden der Verlagsgruppe allerdings nicht. Sei dies doch einmal der Fall, suche die JAV gemeinsam mit der Personalabteilung oder dem Betriebsrat nach Lösungen. Das funktioniere gut. »Wir sind ein gutes Team«, meint Sarah K.

Der Jugendvertreterin ist wichtig, dass die Azubis in der JAV gleichaltrige Ansprechpartner haben. »Da ist die Hürde nicht so hoch«, ist die angehende Mediengestalterin überzeugt. Manche Jugendliche hätten Hemmungen, die Personalabteilung oder den Betriebsrat direkt anzusprechen. »Deshalb ist es gut, dass es uns gibt.« Auch für den Zusammenhalt unter den Azubis und innerhalb der Belegschaft sei die JAV-Arbeit positiv. »Zum Beispiel organisieren wir ab und zu einen Stammtisch, bei dem man sich in lockerer Atmosphäre mal außerhalb des Betriebs austauschen kann.«

Damit es so etwas auch in Zukunft gibt, haben die JAV und der Betriebsrat bereits drei Azubis für den Wahlvorstand gewonnen. Sie werden jetzt erst mal auf einem Seminar geschult. »Damit alles korrekt abläuft«, erklärt Sarah K. Sie selbst will auf jeden Fall erneut kandidieren. Weil sie es wichtig 
findet.

JAV-Wahl

Alles zur JAV-Wahl: www.jav.info Videoclip zu JAV-Wahl: www.bit.ly/JAVfilm